Oliver Zapel: Kein Verkehrsübungsplatz für Feinmotoriker

Schwerer Stand für unsere NLZ-Talente

Lennart Grill im Kasten des 1. FC Kaiserslautern

Lauterns Lennart Grill schaffte den Sprung von NLZ in Liga drei – und ist damit eine Ausnahme! ©Imago/carmele/tmc-fotografie.de

Was haben der Karlsruher SC, Eintracht Braunschweig, Energie Cottbus, Carl Zeiss Jena, Kaiserslautern, 1860 München, VfL Osnabrück, Hansa Rostock, Unterhaching und Wehen Wiesbaden, was die restlichen 9 Clubs der 3. Liga nicht haben? Richtig! Ein Nachwuchsleistungszentrum, beziehungswiese NLZ.

Insgesamt 54 dieser Kaderschmieden gibt es derzeit in Deutschland. Tendenz steigend. So beschäftigen sich aktuell weitere Drittligisten mit dem Gedanken, Top-Talente im eigenen Stall „heran zu züchten“. Die Motive dafür sind (zumindest theoretisch) klar.

So umreißt der DFB die Ziele der Zentren wie folgt:

1.Integration möglichst vieler eigener Talente in den Lizenzspieler-Kader

2. Perspektivischer Aufbau einer erfolgreichen 1. Mannschaft auf Basis einer Spielphilosophie

3. Refinanzierung durch diese „ablösefreie”, aber spielstarke Ergänzung des eigenen Lizenzspieler-Kaders sowie durch lukrative Transfers eigener Perspektivspieler

4. Größere Identifikation der Fans mit jungen Lizenzspielern aus der eigenen Region.

Wow, das klingt doch mal fett! Da kann man sich ja mit seinem Invest schnell und problemlos sanieren. Wir züchten uns einfach ein paar Perlen, verticken die besten an die Top-Clubs in Europa, behalten den Rest im eigenen Stall und schieben dann mit regional verwurzelten, von der Anhängerschaft verehrten Kickern eine lockere Kugel in der 3. Liga.

Nicht alles Gold, was glänzt

Wie weit dieser Traum jedoch von der nackten Realität entfernt ist, zeigt ein repräsentativer Blick auf den letzten Spieltag. Von insgesamt 278 eingesetzten Spielern kamen in allen 10 Partien zusammen gerade einmal 26 (!) U21-Talente zum Einsatz.

Als wäre diese ernüchternde Quote nicht schon bedenklich genug, so wirft die Tatsache, dass lediglich der 1. FC Kaiserslautern (Sickinger, Grill), die Spielvereinigung Unterhaching (Hong, Kiomourtzoglou) und der VfL Osnabrück (Tigges) auf Spieler zurückgriffen, die in der eigenen Akademie ausgebildet wurden, weitere kritische Fragen auf.

5 Talente aus 11 NLZ’s in der gesamten 3. Liga?! Ein schockierendes Alarmsignal, das sich jedoch nahtlos in die allgemeine Frustrationsgemengelage des Profifußballs in Deutschland einreiht.

Software-Problem?

Jahr für Jahr fließen große Millionenbeträge in immer schmuckere Ausbildungszentren mit modernsten, sogar mit Sternchen zertifizierten Infrastrukturen: top-gepflegte Rasenplätze, beheizbare Kunstrasenanlagen, multi-mediale Umkleidekabinen, Regenerations- und Wellness-Oasen, hochtechnische Kraft- und Leistungsanalyse-Zonen, separate Physio-Bereiche, Kantinen, Ruhe- und Aufenthalts-Lounges, Trainerbüros, Übernachtungsmöglichkeiten etc..

Liegt es an der Ausbildungsqualität? (über die wenigen Nachwuchskicker in der 3. Liga)

Die Vereine beschäftigen Fußball-Lehrer, Scouts, Ärzte, Therapeuten, Analysten, Psychologen, Mental-Coaches, Nahhilfelehrer, Köche, Zeugwarte, Materialpfleger, Herbergseltern. Mega-Apparate, mit extrem wenig Output!

Woran aber liegt es, dass es so wenig Nachwuchsspieler schaffen, die 3. Liga als Showbühne zu nutzen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen? Wenn die Hardware (Infrastruktur) in den Akademien doch eigentlich stimmt, haben wir dann vielleicht ein Software-Problem? Liegt es dann eventuell an der Ausbildungsqualität?

Bereiten die Schulungsprogramme in den jeweiligen Altersklassen die jungen Spieler nicht adäquat auf den Übergang in den rauhen Profialltag vor? Sind es physische, technisch-taktische oder mentale Defizite?

Oliver Zapel richtet den Blick auf das Spielfeld.

Kritischer Blick auf die Nachwuchsarbeit in Liga drei: Oliver Zapel. ©Imago/Sportnah

Ein Indiz für die These, dass die 3. Liga anscheinend sogar für die meisten Top-Talente der Bundesliga-Nachwuchsakademien eine zu große Herausforderung darstellt, zeigt sich an der Tatsache, dass in der aktuellen Saison keine Zweitvertretung mehr vertreten ist.

Zwar schickt sich eines der U23-Teams von Bayern München beziehungsweise VfL Wolfsburg an, die Lücke in der kommenden Saison zu füllen. Doch es ist irgendwo schon erstaunlich, dass renommierte Akademien wie Dortmund, Hoffenheim, Mainz oder Stuttgart mit ihren Teams untergeordnete Rollen in der Regionalliga spielen.

Zwar wird immer wieder betont, dass in eben diesen Mannschaften die individuelle Entwicklung im Vordergrund steht. Allerdings gehört ergebnisorientiertes Denken und Verhalten sehr wohl auch zu den Attributen eines für höhere Aufgaben bestimmten Jung-Profis.

Quo vadis 3. Liga?

Die dritte Liga – das Durchschnittsalter aller 537 Akteure liegt bei immerhin schon 25,6 Jahren – ist eine Spielklasse mit eigenen Gesetzen. Hier paaren sich gestrandete Haudegen, die schon deutlich bessere Zeiten erlebt haben und nun auf hohem Niveau den Herbst ihrer Karriere genießen, mit ambitionierten Ü21ern, die über den zweiten Bildungsweg doch noch nach den süßen Trauben in den beiden Oberhäusern greifen wollen.

Bedenklich, wie sich das Spiel taktisch entwickelt. (über den Fußball in Liga drei)

In wöchentlichen Abnutzungskämpfen liefern sich Vereine, die sich wirtschaftlich am äußersten Existenzminimum bewegen, hauchzarte Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Leistungs- und Erfolgsdruck ist immens. Geschenkt bekommt man rein gar nichts. Ohne Rücksicht auf Verluste wird gefightet, bis der Arzt kommt. Oft siegen nicht die fußballerisch besseren Teams, sondern die Truppen mit der stabileren Mentalität. Wer hier besteht oder gar herausragt, der schafft es auch mindestens eine Spielklasse höher!

Kein Verkehrsübungsplatz also für technisch feine Füßchen, die gerade aus dem NLZ-Ei geschlüpft sind und nun erste Seniorenfußballluft schnuppern wollen. Dabei würden sie den nicht selten stupiden Monokultur-Fußball zweifelsfrei bereichern. In der Liga der „Umschaltspieler“, in der Geschwindigkeit wichtiger ist als Kreativität, ist es schon bedenklich, wie sich das Spiel taktisch entwickelt. Das romantische Bild, ein Match zu zelebrieren und Dominanz mit dem Ball zu praktizieren, malt schon lange keiner mehr.

Schade eigentlich!

Schon Mitglied beim offiziellen 3.Liga-Sponsor bwin? Jetzt anmelden & bis zu 100€ Willkommensbonus kassieren!