Oliver Zapel: Legt den Schalter um!

Bei diesen Drittligisten brennt's

André Schubert gibt seinem Kapitän Stephan Fürstner Anweisungen.

Haben André Schubert und Eintracht Braunschweig noch genug Sprit im Tank für die Saison-Endphase? ©imago images/pmk

Ziemlich genau zehn Monate ist es nun her, dass Fans, Experten und Medienvertreter sich erstmals deutlich zu den Ambitionen der Drittligisten äußerten. Schnell gab es – durch Umfrageergebnisse belegt – die ersten Top-Favoriten für Auf- und Abstieg.

Wie sehr man sich doch selbst als eingefleischter Insider irren kann, dokumentierte der bisherige Saisonverlauf. Einmal mehr stellt die 3. Liga ihre Unplanbarkeit unter Beweis. Wer hat wirklich an einen fulminanten Durchmarsch des VfL Osnabrück oder einen nicht unwahrscheinlichen Überraschungsabstieg des VfR Aalen gedacht?

Natürlich wollen sich insbesondere die Trainer nach außen hin nicht an zu hoch gehängten Zielen messen lassen. (über defensive Prognosen)

Die sportlich Verantwortlichen der Vereine hielten sich vor dem Kick-off gewohnt defensiv zurück. Zu 80% hieß es in den öffentlichen Statements, man wolle – insbesondere vor dem Novum des vierten Absteigers – möglichst schnell die ominösen 45 Punkte holen, mit dem Abstieg nichts am Hut haben und danach gegebenenfalls weitersehen. Lediglich vereinzelt hörte man Ambitionen in Richtung Zweitligaaufstieg.

Nach Außen bescheiden, intern ambitioniert

Nun sollte aber nicht verschwiegen werden, dass zwischen den externen und internen Zielsetzungen mitunter deutliche Unterschiede liegen. Natürlich wollen sich insbesondere die Trainer nach außen hin nicht an zu hoch gehängten Zielen messen lassen.

Im Binnenverhältnis jedoch existieren nicht selten klare und deutlich ambitioniertere Vorgaben. Oftmals sind es sogar die Spieler, die sich im Verlauf einer gut laufenden Saisonvorbereitung auf eine Top-Platzierung einschwören.

Spätestens mit dem Anpfiff des ersten Spieltages ist dann aber Schluss mit lustig. Von nun an heißt es : „Butter bei die Fische!“ Schnell zeigt sich, welche Klubs stabil ihren Plan verfolgen und bei welchen es doch mehr klemmt, als vermutet.

Nun kommt es darauf an, ob und vor allen Dingen auch wann Trainer und Teams in der Lage sind, den ominösen Schalter umzulegen, sich neu auszurichten und mit Plan B zurück in die Spur zu finden.

Achterbahnfahrt in Münster

Die Herausforderung der strategischen Neuausrichtung innerhalb einer Saison betraf und betrifft in dieser Spielzeit bis auf ganz wenige Mannschaften fast alle Vereine. Früher oder später erwischt es jeden. Verflixt daran ist nur, dass man nie weiß, wann! Einige Klubs mussten sogar mehrfach ihren Kurs ändern, um nicht Schiffbruch zu erleiden.

Doch dann kam es zum Crash. (über den Leistungseinbruch der Preußen)

Beispielhaft sei hier die Achterbahnfahrt des SC Preußen Münster erwähnt. Wie im Flow marschierte man bis zum 16. Spieltag auf Platz zwei liegend im Windschatten des VfL Osnabrück in Richtung 2. Liga. Doch dann kam es zum Crash.

16 Spieltage später befand sich Preußen nur noch sechs Punkte vor der aufholenden Konkurrenz über dem Strich. Dank des Auswärtssieges bei 1860 am vergangenen Wochenende konnte der freie Fall nun aber rechtzeitig gestoppt und die 45-Punkte-Schallmauer durchbrochen werden.

KSC und SVWW erfüllen die Erwartungen

Der Karlsruher SC und Wehen Wiesbaden haben bewiesen, dass sie wissen, wie man an den richtigen Schrauben drehen muss. Beide Vereine zählten vor Saisonstart wegen ihrer hochkarätig besetzten Kader zu den Aufstiegsfavoriten.

Nach überraschend kritischen Starts in die Spielzeit konnten sich beide Teams dann aber rasch festigen und nachhaltige Punktsammel-Serien starten. Mittlerweile streiten sich die Rivalen (mit dem Halleschen FC) um Platz zwei und drei und erfüllen somit ihre Erwartungen.

Tiefschläge in Kaiserslautern

Bei andere Pre-Season-Top-Favoriten dagegen verlief die aktivierte Kursänderung nicht so extrem positiv, wie erhofft. Der 1. FC Kaiserslautern hatte nach dem Trainerwechsel von Michael Frontzeck zu Sascha Hildmann öffentlich kommuniziert, den Aufstieg in dieser Saison noch nicht abgeschrieben zu haben.

Davon ist man jedoch nach insgesamt zu schwankenden Leistungen trotz sensationeller Fan-Unterstützung sehr weit entfernt. Immer dann, wenn man dachte, jetzt hat der FCK die Kurve bekommen, gab es einen unerwarteten Tiefschlag.

Oliver Zapel ist Kolumnist für Liga-Drei.de.

Oliver Zapel widmet sich den Brennpunkten in der 3. Liga. ©imago images/Hartenfelser

Braunschweig braucht einen weiteren Neustart

Tiefschläge musste zunächst auch der schon nach 11 Spieltagen für Henrik Pedersen verpflichtete André Schubert bei der Eintracht aus Braunschweig einstecken. Lediglich zwei Punkte holte der Champions-League-Coach aus seinen ersten sieben Spielen. Von Kursänderung oder neuen Impulsen war man weit entfernt. Die Stimmung war im Keller!

Dank einer kostspieligen Personal-Umwälzung in der Winterpause gelang dann jedoch die Zangen-Wiedergeburt. Zumindest Stand heute. Denn wegen des besseren Torverhältnisses steht die Eintracht so gerade eben auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz.

Dennoch scheint es, als benötige ganz Braunschweig für die letzten fünf Partien noch einmal einen System-Neustart, einen Energieschub. Die Aufholjagd hat viel Kraft gekostet. Nicht, dass den Löwen auf der Zielgeraden doch noch der Sprit ausgeht!

Alarmstufe Rot in Unterhaching

Wie schwer es ist, die Reißleine zu ziehen und den freien Fall mit einem Alternativ-Konzept zu stoppen, zeigt das Beispiel Unterhaching. Da kassierte die spielstarke Schromm-Elf bis Ende Februar sage und schreibe nur eine Niederlage in 20 Punktspielen, klopfte zwischendurch immer mal wieder offensiv an die Tür zur 2. Liga.

Wie ein angeschlagener Boxer taumeln die Bayern durch die Stadien. (über Unterhaching)

Und dann kam das 1:4 gegen den VfR Aalen. Der Startschuss für eine nahezu beispiellose Negativserie, in der sich zeigte, wie trügerisch und gefährlich ein komfortabler Punktvorsprung auf den Tabellenkeller sein kann. In den letzten 13 Spielen holte die Unterhachinger lediglich noch sechs Pünktchen und erzielten in neun Matches nicht einmal mehr ein eigenes Tor!

Verletzungssorgen, verschossene Elfmeter, Eigentore – da kommt dann alles zusammen. Ein schleichender Prozess. Doch nun herrscht Alarmstufe Rot! Der Puffer auf den ersten Abstiegsplatz beträgt lediglich noch vier Punkte. Wie ein angeschlagener Boxer taumeln die Bayern durch die Stadien. Und ausgerechnet jetzt kommt es zum Blockbuster bei den Fortunen aus Köln.

In Köln droht der Super-Gau

Auch die Kölner haben – so deutlich muss man es leider sagen – den Turnaround nach dem Koschinat-Abgang bis heute nicht geschafft. Im Gegenteil: Aktuell stehen die Südstädter für viele Fachleute kaum nachvollziehbar mit einem erfahrenen und auf vielen Positionen doppelt gut besetzten Kader tatsächlich unter dem Strich.

Es fehlen jedoch offensichtlich ein paar Mentalitäts-Prozente und taktische Rezepte. (über die Fortuna)

Es droht der Super-Gau. Denn im Abstiegsfall weiß niemand so genau, wie es weitergeht. Das Fatale an der Situation der Kölner ist die Tatsache, dass sie große Teile ihres Leistungspotenzials in nahezu jedem Match abrufen und gefällig mitkicken, das Spielgeschehen sogar bestimmen.

Es fehlen jedoch offensichtlich ein paar Mentalitäts-Prozente und taktische Rezepte, um sicher verbuchte Punkte auch über die Ziellinie zu retten. Hier wurde der Hebel noch nicht gefunden, soviel steht fest. Und nun macht es auch keinen Sinn mehr, den aufkommenden Druck zu ignorieren. Jetzt müssen Ergebnisse her. Der Plan gegen Unterhaching MUSS greifen!

Wer hat die Warnsignale erkannt?

Die Lage an beiden Enden der Tabelle ist so spannend, wie lange nicht. Besonders im Keller haben wir eine Situation wie 2015/16. Damals erwischte es am allerletzten Spieltag mit den Stuttgarter Kickers auch einen Club, der bis zuletzt nicht damit gerechnet hatte.

Wer nicht frühzeitig die Warnsignale erkennt, kann gnadenlos abschmieren. Mit den richtigen Handgriffen zur rechten Zeit kann sich das Blatt aber jederzeit wenden. Bei wem es jedoch jetzt nicht „klick“ macht, können unverhofft die Lichter ausgehen. Bon voyage!