VdV Camp 2020: Sarr übt sich in Geduld

Ex-Jena-Kicker über seine Zeit ohne Klub

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Montag, 10.08.2020 | 11:57
Marian Sarr im VdV Camp.

Marian Sarr (m.) will sich im VdV Camp für einen neuen Klub empfehlen. ©imago images/Reichwein

Mit drei gepackten Taschen hat sich Marian Sarr heute Vormittag in sein Auto gesetzt und sich auf den Weg zum Training gemacht. 400 Kilometer waren dafür zu bewältigen. Von Weimar nach Duisburg. Das sind vier Stunden Autobahn.

Hüben hält er mit seiner Freundin eine kleine Wohnung, drüben trifft er in der Sportschule Wedau im Camp der VdV auf eine Gruppe von Spielerkollegen, die wie er aktuell noch ohne Engagement sind.

Der Blick zurück ist ein Tabu

Es gab Zeiten im Fußballerleben des Marian Sarr, da dauerte der Weg zum Training nicht einmal eine halbe Stunde. Und dort angekommen blickte er in berühmte Gesichter, schüttelte er jeden Tag die Hände von Lewandowski, Reus, Hummels und, ja, Jürgen Klopp.

Sarr ist ein Linksbeiner. Die waren und die sind rar in den Spielklassen dieses Landes. Und dieser aktuell wohl populärste Trainer in der Welt des Fußballs hat diesen damals noch so jungen Kerl einfach mal spielen lassen. In der Innenverteidigung. Ausgerechnet dort, wo Spiele meist entschieden werden.

über seine bisherige Karriere
„ Ich habe lernen dürfen, geduldig zu sein. ”
Marian Sarr

In der Champions League ist das noch gut gegangen, in der Bundesliga eines Tages nicht. Sarr patzte, der BVB wurde daheim besiegt. Sarr verlor erst das Vertrauen der Entscheider, dann sein eigenes. Das ist sieben Jahre her, doch bis heute hat die Karriere des Marian Sarr nicht die Kurve bekommen. Alles dies lastet wie ein Trauma auf seinen Schultern.

Auf der Fahrt nach Duisburg ins Trainingscamp der VdV muss Sarr häufig in den Rückspiegel schauen. Was seine Karriere betrifft, so hat er den Blick zurück für sich persönlich zum Tabu erklärt. Im Gespräch mit Liga-Drei.de fällt auf, wie ruhig und besonnen er seine Situation beurteilt. „Ich habe lernen dürfen, geduldig zu sein“, sagt Sarr.

Das Vertrauen des Trainers wieder spüren

Sein letztes Ligaspiel für Carl Zeiss Jena in der 3. Liga hat er im September des vorigen Jahres absolviert. Dort war er im Verlauf der Spielzeit plötzlich ausgerechnet auf jenen Trainer getroffen, mit dem er zuvor auch schon beim VfR Aalen „nicht klargekommen“ sei, wie Sarr berichtet. Das Vertrauen eines Trainers endlich einmal wieder in seinem Rücken zu spüren, davon träumt er jetzt.

Als Junior hat er bei mindestens zwei Fußball-Lehrern diesen Support erleben dürfen: Bei David Wagner in der Ausbildung des BVB und bei Stefan Böger in der DFB-Auswahl U17. „Da habe ich grenzenloses Vertrauen empfunden. Ich durfte Fehler machen und blieb dennoch im Team“, sagt Marian Sarr und wieder muss er sich dabei ertappen, mit den guten alten Zeiten zu liebäugeln.

über seine Zeit in Aalen & Jena
„ Wenn Probleme entstehen, gehören immer zwei dazu. ”
Marian Sarr

Und so stellt er vorsorglich klar: „Wenn Probleme entstehen, gehören immer zwei dazu. Auch ich habe einen Anteil daran, dass ich mein Fußballglück noch nicht gefunden habe.“

Er drückt sich gewählt aus und wir denken an Weimar, an diese kulturelle Hochburg, in der er leben mochte, als er als Fußballer nach Jena kam. Und es immer noch ein Stückweit tut, weil seine Freundin in Erfurt studiert.

Über das VdV-Camp in der Sportschule Wedau ist er dankbar. Der Fußball-Lehrer Peter Neururer trainiert mit den Spielern so intensiv wie mit einem Team, das sich auf den Ligastart vorbereitet. Dank der ganzheitlichen, hochprofessionellen Arbeitsbedingungen, die die VdV bietet, lassen sich die Ängste um eine gute Fußball-Zukunft für einige Stunden jeden Tag verdrängen.

Testspiel für Spielpraxis

Einer der Partner der VdV ist seit vielen Jahren das „MedicoAuf Schalke“. Hier werden sämtliche Fitnesswerte der Spieler gecheckt und individuelle Programme für die verschiedensten Verbesserungen entwickelt. Einer wie Sarr weiß solcherlei sportmedizinisches Knowhow zu schätzen. Wer wie er als Ausbildungsspieler bei Bayer 04, bei Borussia Dortmund, beim DFB und beim VfL Wolfsburg aktiv gewesen ist, hat solche Testreihen schon frühzeitig für sich als Gewinn verbuchen können.

In der aktuellen Woche freilich steht das wahre Highlight für Sarr und seine Kollegen an. „Endlich auch wieder einmal ein richtiges Match bestreiten zu können, ist großartig und so wertvoll“, sagt Marian Sarr. Der Wuppertaler SV wird dann nach Duisburg kommen und sich mit diesem Teamverbund auf Zeit messen.

Wir fragen ihn, ob es ihm nicht lieber wäre, bis dahin wieder fest bei einem Verein platziert zu sein? „Ich warte auf das für mich jetzt genau Richtige und dies braucht eher noch ein wenig mehr Zeit“, sagt Sarr. Zeit, die er sich nehmen will. Dieser 25 Jahre alte junge Mann, der gelernt hat, zu warten.

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