VfL Wolfsburg U23: Interview mit Trainer Rüdiger Ziehl

"Gegen Bayern ein Duell auf Augenhöhe."

Rüdiger Ziehl als Trainer der VfL Wolfsburg U23

Wolfsburgs U23-Coach Rüdiger Ziehl blickt optimistisch auf die Relegation. ©Imago images/Hübner

Aufgrund der neuen Regelung gibt es in diesem Jahr lediglich ein Duell um den Aufstieg in die 3. Liga. Die U23 des VfL Wolfsburg trifft als Meister der Regionalliga Nord auf die U23 des FC Bayern München, die die Meisterschaft in der Regionalliga Bayern gewann.

Das Hinspiel in Wolfsburg findet am 22. Mai statt, das Rückspiel am 26. Mai. Rüdiger Ziehl, der Trainer des VfL Wolfsburg II, spricht im Interview über die Aufstiegsspiele, die Vorteile an der Nachwuchsarbeit in der 3. Liga und seine eigene Zukunft.

Herr Ziehl, der VfL Wolfsburg oder der FC Bayern München wird kommende Saison mit der Zweitmannschaft in der 3. Liga vertreten sein. Welche Vorteile hätte das für die Nachwuchsarbeit des Vereins?
Rüdiger Ziehl: „In der 3. Liga gäbe es eine größere Konkurrenzsituation, einen größere Wettkampf gegen Traditionsmannschaften vor vielen Zuschauern. Die Spieler müssten Woche für Woche an ihre Leistungsgrenze gehen, um dort zu bestehen. In der Regionalliga ist es vielleicht möglich, auch einmal nur 90 Prozent abzurufen und trotzdem vorne mitzuspielen. Das wird in der 3. Liga nicht funktionieren.“

Die Bundesliga-Reserven wie 1. FSV Mainz 05 II, Werder Bremen II oder der VfB Stuttgart II gaben in der 3. Liga zuletzt kein gutes Bild ab. Ist die 3. Liga für viele junge Spieler vielleicht eine Nummer zu groß?
Ziehl: „Letztendlich ist es ein Qualitätsmerkmal der 3. Liga, dass es für U 23 Mannschaften sehr schwer ist, dort die Liga zu halten. Aber wir haben genug Qualität im Kader und trauen uns zu, dort bestehen zu können.“

Wir können uns nicht einfach wild aus der Profimannschaft bedienen. (über etwaige Profi-Abstellungen für die Relegation)

Die 3. Liga ist eine Spielklasse, in der sehr körperlich gespielt wird und viele erfahrene Spieler vertreten sind. Müssten Sie in der 3. Liga ältere und erfahrene Spieler dazu holen?
Ziehl: „Es ist natürlich wichtig für die 19- und 20-jährigen Spieler, dass sie erfahrene Profis an ihrer Seite haben und sich an ihnen aufrichten können. Das ist jetzt auch in der Regionalliga bereits so, wo wir Leute wie zum Beispiel Michele Rizzi haben. Bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, die zum Beispiel den erfahrenen Nicolas Feldhahn im Team haben, ist es nicht anders.“

Gibt es auch Nachteile an der 3. Liga bezüglich der Nachwuchsarbeit? Ist der Sprung von der U 19 zur U 23 dann zum Beispiel besonders groß?
Ziehl: „Unsere U 19-Spieler haben den Anspruch, in den Profibereich zu gelangen. Es mag zunächst etwas schwieriger sein, in den Herren-Bereich zu kommen und dann direkt 3. Liga zu spielen. Aber es gibt eben auch Spieler, die direkt durchstarten, weil sie auch die körperlichen Voraussetzungen erfüllen. Umso wichtiger wäre es, aus unserer guten Jugendarbeit die besten Nachwuchsspieler auszuwählen.“

Werden Sie für die Aufstiegsspiele Unterstützung aus dem Kader der Profimannschaft erhalten?
Ziehl: „Da gibt es Vorgaben, an die sich jeder Verein halten muss. Wir können uns nicht einfach wild aus der Profimannschaft bedienen. Das ist auch nicht geplant.“

Das wird ein Duell auf Augenhöhe. (über das Spiel gegen die FC Bayern U23)

Was können Sie über die zweite Mannschaft des FC Bayern München sagen? Was sind deren Stärken und Schlüsselspieler?
Ziehl: „Man braucht sich nur die Torschützenliste anzuschauen. Der Stürmer Kwasi Okyere Wriedt, den wir hier auch noch aus der Regionalliga Nord kennen, nimmt eine prägende Rolle ein. Er erzielt natürlich viele Tore, hat aber auch eine große Ballsicherheit und Präsenz im Sturmzentrum. Insgesamt ist das eine junge, hungrige und technisch starke Mannschaft, die über den Ballbesitz erfolgreich sein möchte. Das wird ein Duell auf Augenhöhe.“

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren gibt es diesmal nur ein Aufstiegsduell zur 3. Liga. Die anderen drei Regionalliga-Meister haben ihren Aufstieg fix. Fühlen Sie sich dadurch stark benachteiligt?
Ziehl: „Man kann sich darüber aufregen, ja. Diese Regelung ist sehr ärgerlich. Bayern und wir haben die Meisterschaft gewonnen und müssen nun die Aufstiegsspiele bestreiten, weil eine Person vor einem Dreivierteljahr dieses Los gezogen hat.“

Aus der Fanszene gibt es Stimmen, die für die 2. Mannschaften der Profivereine eine eigene Liga fordern. Deren Argumente sind, dass diese Mannschaften kaum Fans mitbringen, bei deren Heimspiele keine Atmosphäre aufkommt, die Vereine dafür aber einen Wettbewerbsvorteil aufgrund der Unterstützung der Profis haben. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ziehl: „Ich finde die aktuelle Regelung deutlich besser, weil man aus der U 19 in den Herren-Bereich kommt und sich in der Regionalliga mit Herren-Mannschaften messen muss. Würde man eine Liga für die Reserve-Mannschaften gründen, wäre das nur eine Erweiterung der Jugendarbeit, wo sich die Spieler dann auch noch als 19- und 20-Jährige untereinander messen.“

Man kann sich darüber aufregen. (über die aktuelle Aufstiegsregelung)

Beim VfL Wolfsburg gab es Zeiten, in denen sehr viel Geld für Top-Spieler wie Julian Draxler, Andre Schürrle oder Kevin De Bruyne bezahlt wurde. Dann folgte die Ankündigung, man wolle vor allem auf junge Spieler und Eigengewächse bauen. Ist die Perspektive für Ihre Spieler nun besser als vor drei oder vier Jahren?
Ziehl: „Es gab auch zu dieser Zeit den einen oder anderen Spieler, der diesen Sprung geschafft hat. Vielleicht ist es ein Stück weit einfacher, wenn nicht mehr die absoluten Top-Stars geholt werden. Dennoch ist die Qualität in unserem Profikader sehr hoch. Letztendlich liegt es an den Spielern selbst, ob sie in unserem Nachwuchs die entsprechende Leistung zeigen.

So war es zum Beispiel bei Elvis Rexhbecaj, der in der U 23 Top-Leistungen gezeigt hat, belohnt wurde, in den Profikader vordrang und dort regelmäßige Einsätze bekommt, oder auch bei John Yeboah, der aus der U 19 herausgestochen ist und nun auch im Profikader steht.“

Zum Abschluss noch eine Frage zu Ihnen: Sie haben den Lehrgang zum Fußballlehrer in Angriff genommen. Sehen Sie Ihre Zukunft als Cheftrainer im Profifußball?
Ziehl: „Zunächst einmal muss ich den Fußballlehrer machen, um meine Mannschaft in der 3. Liga überhaupt trainieren zu dürfen. Schließlich ist die 3. Liga eine Profiliga. Insgesamt ist das Trainerdasein im Fußball schwer planbar.

Mir gefällt die Aufgabe, junge Spieler auszubilden und dennoch im Herren-Bereich zu arbeiten. Es wäre die Krönung, wenn das mit Wolfsburg II in der 3. Liga gelingen würde. Ich fühle mich in Wolfsburg und beim VfL sehr wohl. Wenn andere Angebote aus dem Profibereich kämen, muss man sich natürlich immer damit beschäftigen, aber ich finde die Aufgabe hier in Wolfsburg weiterhin sehr interessant.“

Herr Ziehl, vielen Dank für das Gespräch!

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