Waldhof Mannheim: Interview mit Jan Hendrik Marx

"Wir wollen einfach jede Woche Gas geben"

Jan Hendrik Marx im Heimspiel gegen Magdeburg.

Hat sich auf Anhieb in der Mannheimer Stammelf festgespielt: Jan Hendrik Marx. ©imago images/masterpress

Erst seit dem vergangenen Sommer trägt Jan Hendrik Marx das Trikot von Waldhof Mannheim. Trotzdem ist der 24-Jährige bereits eine feste Größe im Team des Aufsteigers und verpasste als einziger Waldhöfer noch keine einzige Minute in der 3. Liga.

Im Interview mit Liga-Drei.de spricht Marx über seine schnelle Eingewöhnung, den Mannheimer Höhenflug und das kommende Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena.

Herr Marx, im Sommer wechselten Sie von Regionalligist Offenbach nach Mannheim und haben für den Waldhof noch keine Drittliga-Minute verpasst. Sind Sie selbst überrascht, wie gut es für Sie beim SVW läuft?
Jan Hendrik Marx: „Es freut mich natürlich sehr, dass der Trainer mir die ganze Zeit das Vertrauen schenkt. Ich will Woche für Woche meine Leistung bestätigen, damit ich ihm quasi keine Wahl lasse und ich denke, bisher hat das sehr gut geklappt.“

Warum benötigten Sie eine Klasse höher keine Anlaufzeit?
Marx: „Ein großer Faktor ist auf jeden Fall, dass mich die Mannschaft direkt vom ersten Tag an super aufgenommen hat. Ich bin sehr warmherzig hier aufgenommen worden und hatte daher auch keine Probleme, mich in die Mannschaft einzufügen. Dann habe ich einfach meine Qualität und meine Stärken eingebracht.“

Man sieht ja im Training, welcher Spieler was mag. (über die gute Abstimmung trotz Rotation)

Was sind denn Ihre Stärken?
Marx: „Auf jeden Fall die Schnelligkeit. Ich bin ein Rechtsverteidiger mit großen Offensivdrang und vielen Offensiv-Aktionen, der viele Läufe nach vorne macht. Das läuft aber immer nur so gut, wie die Mannschaft mich einsetzt. Von daher bin froh, dass ich gut aufgenommen wurde und auch direkt das Vertrauen meiner Mitspieler bekommen habe.“

In der offensiven Dreierreihe im Mittelfeld wird immer wieder rotiert, Sie haben damit regelmäßig einen anderen Spieler vor sich. Warum klappt die Abstimmung zwischen Ihnen und ihrem Vordermann trotzdem?
Marx: „Wir arbeiten im Training sehr viel vor, von daher ist keiner meiner Mitspieler fremd für mich. Man sieht ja auch im Training, welcher Spieler was mag: Ob er lieber entgegenkommt, die Tiefe sucht oder den Ball am Fuß bevorzugt. Von daher ist es keine so große Umstellung mit dem Ball, nur defensiv muss man eben immer schauen, dass man die Leute vor sich richtig stellt und Lücken schließt.“

Den wollen wir auch eine Liga höher durchdrücken. (über den Spielstil des SVW)

In der Hinrunde fiel Valmir Sulejmani lange aus, nun muss der SVW längere Zeit auf Dorian Diring verzichten. Wie fängt die Mannschaft Ausfälle von Leistungsträgern auf?
Marx: „Das hat man in der Hinrunde schon gesehen, das ganze Team hat Rückschläge wieder begradigen können. Man hat es auch in den letzten Spielen gesehen, dass jeder für die Mannschaft kämpft. Mounir Bouziane hat das beispielsweise richtig klasse gemacht. Jeder springt für den Anderen ein, das ist glaube ich unser Erfolgsrezept.“

Mit Ausnahme von vier Spieltagen rangierte der Waldhof immer in der oberen Tabellenhälfte. Wo sehen Sie die Gründe für die starke Premieren-Saison in Liga drei?
Marx: „Wir machen uns da keinen großen Kopf, sondern wollen einfach nur Fußball spielen. Wir haben unseren Spielstil, den wollen wir auch eine Liga höher durchdrücken. Es ist natürlich immer alles offen in jedem Spiel, aber es fängt immer bei 0:0 an und wir wollen jedes gewinnen. Grundsätzlich war unser Ziel immer der Klassenerhalt, dass wir mit den unteren Tabellenplätzen nichts zu tun haben, und das klappt bis jetzt super.“

Es bringt aus meiner Sicht nichts, da vorher große Aussagen zu treffen. (über Saisonziele)

Da Sie das Saisonziel Klassenerhalt ansprechen: Ihr Präsident Bernd Beetz hat im Januar die Zielsetzung auf eine Platzierung im ersten Drittel korrigiert. Wie schätzen Sie die Chance ein, dieses Ziel zu erreichen?
Marx: „Wir schauen nur von Woche zu Woche und von Spiel zu Spiel. Wir sind ein Klub, der viel arbeitet, es bringt aus meiner Sicht nichts, da vorher große Aussagen zu treffen. Wir wollen einfach jede Woche Gas geben und am Saisonende sehen wir dann, wofür es reicht.“

Betrachten wir nur die ersten Halbzeiten, hat der SVW mit 15:16 eine leicht negative Tordifferenz, in der zweiten Halbzeit ist sie mit 21:11 wesentlich besser. Haben Sie eine Erklärung?
Marx: „Mir ist das eigentlich relativ egal, solange am Ende ein Sieg oder ein Unentschieden auf der Tafel stehen. Dann ist mir egal, wann wir die Tore machen, ob in der ersten oder zweiten Halbzeit. Das spielt für mich keine Rolle. Späte Tore machen sogar ein bisschen mehr Spaß, weil dann die Emotionen größer sind. Im Endeffekt kann man aber kein Tor zu einer ungünstigen Zeit schießen.“

Also macht Trainer Bernhard Trares sie nicht in der Halbzeit nochmal besonders heiß?
Marx: „Das macht er auch schon vor dem Spiel. Klar kriegen wir in der Pause nochmal Hilfestellung, gerade was vielleicht nicht so gut geklappt hat in der ersten Halbzeit kriegen wir mir mit auf den Weg. Grundsätzlich heizt er uns vor dem Spiel so ein wie in der Halbzeit, von daher glaube ich nicht, dass wir heißer sind oder aufwachen müssen. Wir haben eher wichtige Hinweise bekommen und probieren dann nochmal was.“

Mit breiter Brust aufspielen, auf unsere Stärken vertrauen. (über die Marschroute gegen Jena)

Bleiben wir bei Statistiken. Mannheim kann auf eine beeindruckende Serie verweisen: Die letzte Auswärtsniederlage im Liga-Betrieb ist über eineinhalb Jahre her. Was macht den Waldhof in fremden Stadien so stark?
Marx: „Das kann ich gar nicht so genau beantworten. Wir gehen jedes Spiel gleich an, ob es ein Heim- oder Auswärtsspiel ist, ist egal. Aber natürlich sind die Busfahrten entspannter, wenn man auswärts ungeschlagen ist, vielleicht steckt das ja ein bisschen in den Köpfen.“

Dem gegenüber stehen erst drei Heimsiege in der laufenden Saison. Woher kommt diese Diskrepanz?
Marx: „Wir haben auch richtig gute Heimspiele gemacht, wo wir uns am Ende nicht belohnt haben. Genauso gab es Auswärtsspiele, wo wir vielleicht ein bisschen glücklicher ein Unentschieden oder einen Sieg geholt haben.“

Am Sonntag kommt Carl Zeiss Jena ins Carl-Benz-Stadion. Wie soll es mit Heimsieg Nummer vier klappen?
Marx: „Wir müssen so weitermachen wie bisher: Mit breiter Brust aufspielen, auf unsere Stärken vertrauen und genau wissen, was wir zu tun haben. Dann klappt das auch am Wochenende.“

Man wird immer mal wieder angesprochen, ob es schon Karten gibt. (über das Derby gegen den FCK)

Der FCC steht mit großem Rückstand auf das rettende Ufer am Tabellenende. Sehen Sie die Gefahr, dass Mannheim den Gegner unterschätzt?
Marx: „Nein, das auf keinen Fall. Jena hat mit seinem Sieg (2:1 gegen Zwickau, Anm. d. Red.) ein Lebenszeichen an die Liga geschickt. Man darf grundsätzlich keinen Gegner in der 3. Liga unterschätzen. Wir sind erfahren genug und ein Arbeiterverein, dass wir sagen, alle Spiele sind gleich schwer.

Für uns gibt’s immer nur 100 Prozent und am Ende schauen wir, was dabei herauskommt. Wir sind noch nie in ein Spiel gegangen und haben gesagt ‚das müssen wir heute unbedingt gewinnen‘, sondern immer ‚wir wollen jedes Spiel gewinnen‘. Das hilft uns, unsere Spielstärke zu zeigen.“

Lassen Sie uns zum Abschluss etwas in die Zukunft blicken: Ende Februar steht das Derby gegen den FCK an. Haben Sie die Partie schon im Hinterkopf?
Marx: „Man kriegt es ein bisschen mit und wird immer mal wieder angesprochen, ob es jetzt schon Karten gibt. Aber erstmal geht’s von Partie zu Partie, die Spiele davor sind genauso wichtig und gegen den FCK gibt’s ja auch nicht mehr Punkte. Klar ist es für die Stadt ein brisantes Derby, wir freuen uns auf ein wahrscheinlich ausverkauftes Haus und darauf, hoffentlich ein super Spiel abliefern zu können.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Marx!

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