Dynamo Dresden: „Königsdörffer ist Ligaspitze“

Ranisav Jovanovic vor dem Duell seiner Ex-Klubs

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Samstag, 28.11.2020 | 07:30
Ransford Königsdörffer von Dynamo Dresden

Das mutige Dribbling gehört zu den Stärken von Ransford Königsdörffer. ©Imago images/Dennis Hetzschold

Mit dem Auf und Ab des Fußballs kennt sich Ranisav Jovanovic aus. Aus erster Hand hat er in 16 Jahren Profifußball wiederholt erleben können, wie großartig es sich anfühlt, wie in einem komfortablen Aufzug in den Fußball-Himmel befördert zu werden. Zum Beispiel bei Dynamo Dresden als Torschütze des entscheidenden Aufstiegstreffers im Frühsommer der Fußball-Entscheidungen des Jahres 2004.

Die Nähe zu Dynamo ist in ihm immer erhalten geblieben. Denn für die Ewigkeit verbunden ist in Dresden nicht allein sein spektakulärer Aufstiegstreffer. Seitdem an seiner Seite ist Jeanette, ein Dresdener Mädel. Inzwischen Ehefrau und Mutter zweier gemeinsamer Kinder. Die Route zwischen dem eigenen Wohnort in Düsseldorf und dem der Schwiegereltern in Dresden ist programmiert.

Am Sonntag tritt Dynamo beim MSV Duisburg an. Auch dort war Jovanovic als Angreifer und Torschütze aktiv. Als Liga-Drei.de Jovanovic zum Duell seiner Ex-Klubs befragt, scheint es so, als würde er das gelbschwarze Trikot der Dynamos immer noch tragen. „Zum Glück bewegt sich Dynamo schon wieder in einem Lift, der auf dem Weg nach oben ist“, sagt Jovanovic und stellt klar: „Bei Dynamo verfolge ich alles.“

„ Königsdörffer zeigt immer volle Pulle Zug zum Tor ”
Ranisav Jovanovic

Vor allem der gerade erst 19 Jahre alt gewordene Ransford Königsdörffer ist bereits in sein Stürmer-Herz gehüpft. „Wie frech, frisch und unbekümmert der Junge ins eins-gegen-Eins geht und dabei immer volle Pulle Zug zum Tor zeigt, ist Ligaspitze“, berichtet Jovanovic über den neuen Himmelsstürmer von der Elbe.

Wie Königsdörffer war einst auch Jovanovic von Berlin nach Dresden gewechselt. Er blieb zwei Jahre. Dann holte ihn Jürgen Klopp nach Mainz. Sogar in die Bundesliga. „Dynamo war mein großes Sprungbrett“, bemerkt Jovanovic.

Auch Hertha BSC hatte damals um Jovanovic gekämpft. Vor allem Falko Götz, damals Trainer der U23, wollte den linksbeinigen Angreifer, der beim Nachbar Tebe Berlin aufwuchs, den kurzen Weg herüberholen. Vergeblich.

Hertha BSC ließ ihn nach fünf Jahren ziehen

Doch bei Königsdörffer war es umgekehrt: Die Ausbilder von Hertha BSC haben dem Eigengewächs nach zwei Meniskus-Operationen keine Leistungs-Explosion mehr zugetraut und ihn widerstandslos vor anderthalb Jahren nach Dresden ziehen lassen. Nach fünf gemeinsamen Jahren. Ungewöhnlich.

Ranisav Jovanovic jubelt für Dynamo Dresden

Am 30. Mai 2004 erzielte Ranisav Jovanovic das entscheidende Tor zum Dynamo-Aufstieg. ©Imago images/Contrast

Ralf Becker, der neue Gestalter des Dresdener Fußballs, ist über diesen Fang sehr glücklich. Denn vor wenigen Wochen hat er den neuen Hoffnungsträger bis 2023 an Dynamo binden können. Auch Jovanovic hat das beruhigt zur Kenntnis genommen und sagt: „Glückwunsch Dynamo! Denn im Fußball geht es in beide Richtungen oftmals sehr schnell. Jetzt hat Becker die Hand drauf.“

„ Mir gefällt, wieviel Energie Kauczinski schon wieder ausstrahlt ”
Ranisav Jovanovic

Als Jovanovic Dynamo damals in die 2. Bundesliga schießen konnte, waren die Dresdner mit viel Erfahrung erfolgreich. Jovanovic war Jungspund des Teams und erinnert sich an die wohltuende Väterlichkeit des Trainers Christoph Franke. „Er hat immer auf mich geachtet, mich in den Arm genommen, wenn es mal nicht rund lief. Er war großes Glück für mich“, berichtet Jovanovic.

Jetzt hat er den Eindruck, dass Günter Kauczinski diese Achtsamkeit auch bei Königsdörffer aufbringen mag. „Mir gefällt, wieviel Energie Kauczinski trotz des Abstiegs aus der 2. Bundesliga nun eine Liga tiefer schon wieder ausstrahlt.“

Dass der Fußball-Lehrer in Königsdörffer etwas Spezielles erkannt hat, beweist er mit kontinuierlichem Vertrauen in dessen Begabungen. Schon in der 2. Bundesliga nutzte er Königsdörffer als Teilzeitkraft, jetzt in der 3. Liga gar als feste Größe des Offensivspiels.

Wenn Jovanovic in seinen Dynamo-Erinnerungen kramt, fallen ihm auch das clevere Mittelfeldspiel von Steffen Heidrich sowie die Verlässlichkeit der Abwehrrecken Maik Wagefeld, René Beuchel und Andreas Ziebig ein. „Und Kresic ist ein superstarker Keeper und somit ein wichtiger Faktor des Aufstiegs gewesen“, sagt Jovanovic.

Deshalb zeigt er sich begeistert darüber, wie überzeugend stabil Kevin Broll zwischen den Pfosten agiert. „Der beste Torwart der Liga“, meint Jovanovic und geht sogleich einmal weiter durch die Reihen: „Megastark, wie konsequent der lange Mai dazwischenhaut und mein alter Spezi Yannick Stark gemeinsam mit Weihrauch das Mittelfeldspiel antreibt“, berichtet Jovanovic gerade so, als würde er sich aus Sicht eines Trainers mit dem Team beschäftigen.

Ja, im Herzen ist er Trainer, doch noch wichtiger ist es, dass es seiner Familie gutgeht. Als Vertriebsspezialist des schottischen Sportbekleidungs- und Schuhherstellers „umbro“ macht er dies möglich.

„ Der MSV ist diesmal kein Aufstiegs-Kandidat ”
Ranisav Jovanovic

Beim Dynamo-Gegner dieses Sonntags, dem MSV Duisburg, hat Jovanovic 2013 nach einer sportlich persönlich gelungenen Saison eine ganz spezielle Art des Liga-Abstiegs durchleben müssen. Die DFL bestrafte den Heimatverein des großen Bernard Dietz aufgrund von erwiesenen Lizenzierungsvergehen mit dem Zwangsabstieg in die 3. Liga. Der MSV lag in einem sportlichen Scherbenhaufen und völlig erholen können, hat er sich bis heute nicht davon.

Ranisav Jovanovic beim MSV Duisburg

Im Trikot der Zebras lief Ranisav Jovanovic 27-mal auf. ©Imago images/Christoph Reichwein

Dem MSV Duisburg kommt die Welt des Fußballs seitdem wie das Wechselspiel eines ständigen Rauf und Runter vor. Aktuell befindet sich der MSV in der zweiten Spielzeit in der 3. Liga. Zuvor waren es zwei Jahre in der 2. Bundesliga. Davor eine Spielzeit in der 3. Liga und ein Jahr in der 2. Bundesliga. So ging es Hin und Her. Ähnlich wie für Dynamo Dresden.

„Der MSV ist toller Klub. Diese 3. Liga wird er halten können, doch nach einem Sprung ins Feld der Aufstiegskandidaten sieht das alles diesmal nicht aus“, sagt Jovanovic.

Als Jovanovic damals den Ball mit dem rechten Fuß oben rechts ins lange Tor-Eck platzieren konnte, hat er sich und mit ihm rund 30.000 Dynamo-Fans in Ekstase versetzt. Denn gefeiert wurde ein sporthistorischer Neubeginn für Dynamo Dresden. Neun Jahre nach dem Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus war der beliebteste Klub des früheren Ostens endlich wieder landesweit präsent.

„ Ich bin glücklich, dass Dynamo neue starke Signale aussendet ”
Ranisav Jovanovic

In diesem Sommer nun hat Dynamo nach vier Spielzeiten in der 2. Bundesliga den umgekehrten Weg antreten müssen. „Das ist immer schmerzhaft, furchtbar schmerzhaft – egal, ob nach einem Jahr oder später. Deshalb bin ich glücklich, dass Dynamo sofort neue starke Signale aussendet“, berichtet Jovanovic.

Was nun das Match in Duisburg betrifft, sieht Jovanovic das Dynamo-Team abermals vorn und sagt: „Die letzten drei Siege in diesem Monat haben Dynamo entscheidend stabilisiert. Ich setze auf einen 3:1-Sieg.“

 

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