Preußen Münster: „Niklas Heidemann müssen wir uns merken“

Sein Ex-Trainer Manfred Wölpper im Interview

Niklas Heidemann von Preußen Münster

Niklas Heidemann kam im Sommer aus Wuppertal zu Preußen Münster. ©Imago/Osnapix

Manfred Wölpper hat in seiner Zeit als Trainer der U23 des MSV Duisburg schon das eine oder andere Talent unter seinen Fittichen gehabt. Wie der heutige Trainer von Schwarz-Weiß Essen aber Niklas Heidemann entdeckte, ist doch ungewöhnlich. Bei Liga-Drei.de erzählt der 61-Jährige, warum Heidemann seinen Weg bis in die 3. Liga zu Preußen Münster machen konnte und was für ihn noch möglich ist.

Herr Wölpper, im Mai 2014 haben Sie als Trainer der zweiten Mannschaft des MSV Duisburg erstmals Niklas Heidemann eingesetzt, der damals noch in der U19 spielte. Wie hat er Sie überzeugt, ihm zu seinem Oberliga-Debüt zu verhelfen?
Manfred Wölpper: „Erstmal ist er vom Charakter her ein sehr ehrgeiziger Spieler, der lernen will, zuhört, wenn man ihm etwas sagt. Zudem kannte ich ihn eigentlich schon länger und zwar von der ‚Fußballschule Bernhard Dietz‘, bei der ich vor etlichen Jahren auch mal mitgemacht habe. Da ist er mir als 13 oder 14-Jähriger schon aufgefallen.

Da war er deutlich besser als die anderen. Es war natürlich ein anderes Niveau, aber man hat gesehen, wie gut er war. Dass ich dann ein paar Jahre später sein Trainer wurde, war überraschend für mich. Ich wusste ja schon, dass er gut war, aber es war überraschend, dass er plötzlich zum MSV kam.“

Er hat immer gemacht, was man ihm gesagt hat. (über die Disziplin von Niklas Heidemann)

Zur folgenden Saison schaffte er den Sprung in die Zweite Mannschaft, wurde aber erst im Laufe der Rückrunde Stammspieler. Welche Entwicklung haben Sie in der Hinrunde bei ihm gesehen?
Wölpper: „Wir haben im Nachwuchsleistungsbereich schon professionell gearbeitet. Da gingen die Spieler auch mal in die Eistonne rein, wo sich viele drücken, aber er hat eigentlich immer alles gemacht, was man ihm gesagt hat. Deswegen war eigentlich klar, dass er seinen Weg gehen würde.“

Niklas Heidemann hat sich mittlerweile von der Oberliga in die 3. Liga gekämpft. Wie sehen Sie seine Chancen, auch den Sprung in die 2. Bundesliga zu schaffen?
Wölpper: „Ich habe jetzt seine aktuelle Entwicklung nicht so genau verfolgen können. Ich weiß, dass er Stammspieler ist, auch in Wuppertal Stammspieler war. So wie ich ihn vom Charakter her kenne, kann ich mir vorstellen, dass es keine Utopie ist, weiterzukommen.

Die Ziele, die er sich setzt, sind realistisch. Es gibt ja unter Spielern viele Fantasten, die zu hoch hinauswollen. Aber es wäre ja nur eine Klasse höher, von daher halte ich es für realisierbar, dass er es schafft.“

Manfred Wölpper in seiner Zeit beim MSV Duisburg

Manfred Wölpper trainierte die jungen Zebras von 2012 bis 2016. ©Imago/Eibner

In Münster kommt er auf der linken Seite sowohl als Verteidiger, als auch im Mittelfeld zum Einsatz. Wo schätzen Sie ihn stärker ein?
Wölpper: „Ich persönlich habe ihn damals eher auf defensiven Positionen gesehen, weil er sehr laufstark ist. Wenn er von hinten kommt, hat er das Spiel vor sich und kann mit seinem Tempo mehr machen, als wenn er sich erst bei der Ballannahme drehen muss.“

Ich halte es für realisierbar. (über Niklas Heidemanns Chancen auf die 2. Bundesliga)

Münster steht aktuell im oberen Tabellendrittel. Was trauen Sie dem Klub in dieser Saison zu?
Wölpper: „Ich bin da nicht so im Thema. Momentan habe ich viel zu tun mit der eigenen Arbeit. Ich schaue zwar auch mal links und rechts, aber ich kann es nicht einschätzen.“

Seit rund zwei Jahren sind Sie Trainer des Oberligisten Schwarz-Weiß Essen, der Ambitionen hat, in die Regionalliga aufzusteigen, haben aber aktuell über 20 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Homberg. Welche Ziele haben Sie noch für diese Spielzeit?
Wölpper: „Wir würden gerne bestätigen, was wir im letzten Jahr geschafft haben, da sind wir Sechster geworden. In den letzten Jahren hat Schwarz-Weiß Essen ja lange Durststrecken gehabt, hat immer gegen den Abstieg gekämpft. Einmal sind sie sogar abgestiegen. Nur weil der MSV Duisburg – kurioserweise als ich dort noch Trainer war – die Amateure abgemeldet hat, haben sie sich gerettet.

Im letzten Jahr haben wir eine gute Saison gespielt, das wollten wir dieses Jahr bestätigen. Tabellarisch sieht es jetzt nicht so aus, aber es sind nur acht Punkte bis zum Sechsten und wir haben noch ein Nachholspiel. Das ist also noch möglich, aber dass wir mit oben etwas zu tun haben, ist natürlich Fantasterei.

Wir wollen das letzte Jahr bestätigen. (über seine Saisonziele mit SW Essen)

Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Gibt es schon Pläne, wie es für Sie weitergeht?
Wölpper: „Zur Zeit noch nicht. Ich bin schon viele Jahre dabei und muss jetzt mal sehen. Es muss mir Spaß machen, sonst macht es keinen Sinn. Im Moment habe ich mit den Jungs auf dem Platz Spaß. Alles Weitere wird man sehen.“

Können Sie uns zum Abschluss noch eine Anekdote über Niklas Heidemann erzählen?
Wölpper: „Nur, was ich bereits erwähnt habe: Dass ich ihn damals in diesem Fußball-Camp kennengelernt habe und er mir aufgefallen ist. Ich bin damals zu meiner Frau nach Hause gekommen und habe gesagt: Ich habe heute jemanden gesehen, den Namen müssen wir uns merken, der wird es nochmal weit schaffen. Jahre später ist er dann durch Zufall mein Spieler geworden.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wölpper!

Schon Mitglied beim offiziellen 3.Liga-Sponsor bwin? Jetzt anmelden & bis zu 100€ Willkommensbonus kassieren!