FSV Zwickau: Brinkies liebt Spiele auf der Kippe

Keine Sorgen trotz Vertragsende im Sommer

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Montag, 06.04.20 | 08:31
Johannes Brinkies vom FSV Zwickau

Johannes Brinkies rettet dem FSV oft die Punkte. ©Imago images/Eibne

In jedem Sommer laufen zahlreiche Verträge aus. So auch in der 3. Liga. Bisher konnten sich die meisten Spieler sicher sein, recht schnell wieder handelseinig zu werden. Diese Zeit scheint – vor dem Hintergrund von Corona und der damit verbundenen wirtschaftlichen Schieflage an den meisten Drittliga-Standorten – nun erst einmal vorbei.

Doch es gibt Spieler, die sich trotz eines bevorstehenden Vertragsendes keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen müssen. Liga-Drei.de stellt einige dieser Kandidaten vor. Heute: Johannes Brinkies vom FSV Zwickau.

Vom Freischwimmer zum Kapitän

Manchmal ist es gut so, wenn die Zeit des Nachdenkens entfällt. Wenn es allein darauf ankommt, einfach zu springen und dann zu schwimmen. Dann sind auch in der Welt des Torwartspiels die Chancen groß, dass die Lust am Risiko entstehen und zur Bugwelle des Erfolges geraten kann.

Johannes Brinkies hat das so erlebt. Bei seiner Feuertaufe in dieser 3. Liga. Das war Ende September des Jahres 2012.

Brinkies, zwar 1.88 Meter groß, hochtalentiert und mit diesem positiven Verrücktsein ausgestattet, das bei Torhütern so häufig vorkommt und so sehr gemocht wird. Doch er war erst 19 damals, ein Teenager ohne jede Erfahrung in dieser auch schon damals hammerharten Spielklasse. Also musste er reifen, fleißig arbeiten und immer hellwach sein. An diesem Tag war er es.

Von Marc Fascher ins kalte Wasser geworfen

Denn weil sich Hansas Nr. 1 Kevin Müller beim Warm-Up-Programm vor dem Match bei den Jungprofis des VfB Stuttgart eine schwere Knieverletzung zuzog und somit wenige Minuten vor dem Anpfiff ersetzt werden musste, stand Johannes Brinkies plötzlich vor diesem mit eiskaltem Wasser gefüllten Becken, ohne eine Wahl zu haben: Er musste springen. Alternativlos springen. Und dann schwimmen. Schwimmen für seinen Durchbruch, seine Reputation und Karriere.

Und wie er dann geschwommen ist, hat sein damaliger Rostocker Trainer, hat Marc Fascher bis heute nicht vergessen: „Johannes hat keine Fehler gemacht, seine Kiste sauber gehalten und so haben wir uns während unserer langen Heimreise zurück nach Rostock über einen 2:0-Sieg freuen dürfen“, erinnert sich Fascher im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Marc Fascher bei Hansa Rostock

Marc Fascher wies Johannes Brinkies in Rostock den Weg. Imago images/Osnampix

Zwar war die Bewährungsprobe geglückt, das Schulterklopfen wohltuend, doch Brinkies brauchte weiterhin Geduld.

Dazu nochmals Trainer Fascher: „Wenn Müller, meine Nr.1, ausfiel, hatte ich die Qual der Wahl zwischen zwei unterschiedlich qualifizierten Herausforderern: Hier der jugendliche, hungrige Brinkies, dort der erfahrene, abgeklärte Jörg Hahnel.“

In Rostock Lehrjungen-Stigma nie abgeschüttelt

Doch noch in derselben Spielzeit, im März 2013, hat der Fußball-Lehrer, der aktuell für Darmstadt 98 im Scouting aktiv ist, gar eine Zeitlang auf den hochbegabten Brinkies gesetzt.

Und wieder erinnert sich Marc Fascher an eine Art Schlüsselerlebnis: „Wie uns Brinkies in Burghausen einen 1:0-Sieg rettete, dabei spektakulär einen Elfer hielt, wurde mir persönlich klar: Mit diesem Burschen gewinnt man Fußball-Schlachten. Der spielt liebt die Spiele, die auf der Kippe stehen.“

Bis heute hat Johannes Brinkies 173 Spiele in dieser 3. Liga absolviert. Er hat große Fortschritte gemacht, Erfahrungen gesammelt und so manchen weiteren – mit Verlaub – Fußballkrieg für sein Team gewonnen.

Die aktuell ruhende Spielzeit ist seine vierte beim FSV Zwickau. Auch Brinkies ist unterm Strich bei Hansa Rostock das passiert, was häufiger vorkommt: Ihm, dem Eigengewächs, ist es in der Heimat nicht gelungen, das unterschwellig wohl stets vorhandene Stigma des ewigen Lehrjungen abzuschütteln.

Immer wieder sah er sich bei Hansa in seiner Entwicklung blockiert. Immer wieder hatte einer seiner Kollegen die Nase vorn, obwohl er, der Mecklenburger Junge aus Grevesmühlen alles gab, was er geben konnte. Nochmals Fascher: „Johannes zeigte sich extrem ehrgeizig, lernwillig und mutig.“

Doch – und auch dies ist eine typische Torhüter-Mentalität – nicht immer handsam. Nach Kevin Müller erhielten bei Faschers Nachfolgern Jörg Hahnel und Marcel Schuhen den Vorzug.

Bei Pelzer gelernt, ein starker Kapitän zu sein

In zwei Monaten wird Brinkies 27 Jahre alt. Inzwischen ist er beim FSV Zwickau gar der Kapitän des Teams. Auch diese Fähigkeit trägt Rostocker Wurzeln. Dies glaubt Marc Fascher. „Johannes hat bei uns damals aus erster Hand erleben können, wie ein Spieler agieren muss, um ein überzeugender und starker Kapitän zu sein.“

Fascher meint Sebastian Pelzer, seinen damaligen Vertrauensmann, der diese Funktion in vier seiner fünf Spielzeiten als starke Persönlichkeit des FC Hansa innehatte. Seit letztem Weihnachten agiert Pelzer als Technischer Direktor bei Chicago Fire und macht Weltkarriere.

Beim FSV Zwickau würden sie Brinkies gern sämtliche Aufgaben und Vorzüge bereitstellen, um ihn weiterhin in ihrer Mitte zu wissen. Doch Brinkies scharrt mit den Hufen und ist bereit für die nächste sportliche Hürde: Die 2. Bundesliga.

Zahlreiche Beobachter der 3. Liga zählen Brinkies längst zum Trio der Besten dieser Spielklasse.

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