HFC: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Samstag, 05.09.2020 | 10:00
 Julian Derstroff, Fabian Menig und Julian Guttau vom HFC

Mit Neuzugängen wie Julian Derstroff (Mitte) will der HFC wieder hoch. ©Imago images/Zink

Drei Trainer verschliss der HFC in der letzten Saison, um den Absturz vom Aufstiegskandidaten zum Regionallisten zu verhindern. Nach gutem Start verlor das Team unter Torsten Ziegner ab Dezember komplett die Linie, fing sich auch unter Ismail Atalan nicht. Erst Florian Schnorrenberg konnte den Trend stoppen. Am Ende trennten den Halleschen FC zwei Zähler von einem Abstiegsplatz. Im neuen Jahr ist daher erst einmal wieder Stabilisierung angesagt.

Kader & Transfers

Die Leistungsträger der Saison 2018/19 legten auch im letzten Sommer wieder gut los und auch wenn sie am Absturz genauso wie am vorherige Aufschwung beteiligt waren, wiegen ihre Abgänge schwer. Gemeint sind Leader Sebastian Mai, Spielmacher Bentley Baxter-Bahn und Zwölf-Tore-mann Pascal Sohm gingen allesamt zu Drittliga-Konkurrenten.

Die restliche Abgänge waren eher Ergänzungsspieler, lange verletzt oder ausgeliehen. Routinier Jan Washausen wird dennoch als Identifikationsfigur fehlen, vor allem da mit Mai schon ein charakterstarker Führungsspieler weg ist. Sollte Terrence Boyd den Klub noch verlassen, wäre ein weiterer Profi dieser Kategorie verloren.

In Sören Reddemann und Lukas Boeder kamen zwei gestandene Innenverteidiger, um die Lücke in der Abwehr zu schließen. Rechtsverteidiger Fabian Menig, der von Admira Wacker aus Österreich nach Deutschland zurückkam, kennt die Liga ebenfalls bestens.

Marcel Titsch-Rivero war bei Wehen Wiesbaden kaum noch gefragt, ist mit 30 Jahren und 133-Zweitliga-Einsätzen aber ein Stabilitätsfaktor im Mittelfeldzentrum.

Abwarten muss man dagegen bei Selim Gündüz: Der Kreativspieler hatte in den letzten Jahren verletzungsbedingt kaum Spielpraxis, seine Anlagen sind aber ohne Zweifel gut.

Beweisen muss ich Julian Derstroff: Bis zur U23 lief es für den heute 28-Jährigen Offensivmann immer gut, seit er 2016 zu Zweitligist Sandhausen und später Jahn Regensburg wechselte, kam er aber über die Rolle des Ergänzungsspielers nicht hinaus. Kann er nochmal an die Drittliga-Zeit bei Mainz II anknüpfen, als er zwölf Saisontore erzielte, ist er sicher eine Verstärkung.

Positiv hervor tut sich indes Laurenz Dehl. Das Talent ist von Union Berlin ausgeliehen und könnte trotz erst 18 Jahren auf einige Spielzeit im offensiven Mittelfeld kommen.

Die Neuzugänge ergänzen den vorhanden Kader, der mit Spielern wie Toni Lindenhahn, Niklas Landgraf, Julian Guttau oder Antonios Papadopoulos einen guten Altersmix mit nachgewiesenem Drittliga-Niveau hat.

Die aktuelle Form

Der erste Test endete standesgemäß mit 9:0 gegen Landesligist Markkleeberg. Gegen Greuther Fürth wurde dann mit 1:0 gewonnen, gegen die U23 von Hannover 96 fing der HFC dann das erste Gegentor, behielt aber dennoch mit 2:1 die Oberhand.

Gegen Oberligist Einheit Rudolstadt ging es dann etwas wilder zu: Nach einem frühen 0:2 hieß es am Ende 3:3. Sieht man vom Rudolstadt-Spiel ab, zeigt sich die Defensive schon in guter Verfassung, vorne klappt es nur gegen die unterklassigen Teams gut. Vor allem, wenn Boyd noch gehen sollte, droht das zum Problem zu werden.

Stärken & Schwächen

Die Stärken der Hallenser liegen im physischen Bereich: Laufbereitschaft, Robustheit und Zweikampfstärke finden sich in allen Mannschaftsteilen. Mit Gefahr nach Standards wird zu rechnen sein. Die Abwehr ist trotz des Weggangs von Mai stark besetzt,

Ob die Neuzugänge die spielerische Komponente kompensieren können, die mit Sohm oder Bahn den Verein verlassen hat, muss sich erst noch zeigen. Die größten Sorgen bereitete in der letzten Saison allerdings der mentale Bereich. Der HFC begann oft gut, fiel aber nach Gegentoren regelrecht auseinander. Erst Schnorrenberg schaffte Abhilfe. Sollte der Saisonstart misslingen, könnten die alten Wunden wieder aufbrechen.

Florian Schnorrenberg vom HFC

Führt Florian Schnorrenberg den HFC wieder nach oben? ©Imago images/Christian Schroedter

Der Trainer

Die Verpflichtung von Florian Schnorrenberg in der Schlussphase der Saison war eine Überraschung. Schließlich hatte der 43-Jährige erst eine Drittliga-Station hinter sich gehabt, die bei Sonnenhof Großaspach vorzeitig endete.

Es gelang ihm jedoch, die Mannschaft im Abstiegsstrudel wieder aufzubauen und letztlich zum Klassenerhalt zu führen. Dabei zeigte sich ein Muster, das eigentlich untypisch für Schnorrenberg-Teams ist: Im Angriff kehrte das Selbstvertrauen zurück, hinten blieb es wacklig. 18:13 lautete das Torverhältnis in den acht Partien unter dem gebürtigen Siegener.

Mit dem TuS Erndtebrück, den er zweimal in die Regionalliga und einmal in den DFB-Pokal führte, stand zumindest in Oberliga-Zeiten die Abwehr stets sicher, auch bei Großaspach wurden mit 29 Gegentoren in 25 Partien für den Abstiegskampf wenig Treffer kassiert. Das führt dazu, dass seine Teams recht oft unentschieden spielen.

Als Persönlichkeit ist Schnorrenberg mit seiner freundlichen und offenen Art ein ganz anderer Charakter als der akribische und verbissene Ziegner oder der recht zurückhaltende Atalan. Dem Team tat das jedenfalls am Saisonende gut.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung des HFC

Mögliche Aufstellung des HFC

Fazit & Prognose

Einige wichtige Spieler haben den HFC verlassen, besonders offensiv ist der Qualitätsverlust einschneidend. So wird Halle zwar nicht in gravierende Abstiegsnot geraten, aber sich doch deutlich in der unteren Tabellenhälfte einordnen, wir schätzen um Platz 15 herum.

Wie stark sind die anderen? Hier geht es zu den übrigen Teamchecks.