Traditions-Premiere auf dem Betze

Jan Löhmannsröben über seine Ex-Klubs FCK & FCM

Jan Löhmannsröben im Einsatz für Magdeburg.

67 Mal streifte sich Jan Löhmannsröben das FCM-Trikot über – und wäre am Samstag gerne dabei. ©imago images/Jan Huebner

Die 3. Liga hat wieder eine neue Premiere auf Lager. Oben auf dem Betze findet sie statt. Der 1.FC Kaiserslautern trifft zum ersten Male in der Fußballgeschichte beider Klubs in einem Liga-Match auf den 1.FC Magdeburg. Der Betze wird prallgefüllt sein am Samstag, denn beide Klubs stehen für lange Tradition, viel Publikum, große Begeisterung. „Und es wird verdammt heiß hergehen zwischen beiden Teams“, sagt Jan Löhmannsröben.

Das ist einer, der es aus erster Hand wissen muss. Weil Emotionen und Erinnerungen noch frisch sind bei ihm. Weil seine XL-Trikots beider Klubs, die er als Andenken in seinem Kleiderschrank aufgehängt hat, auch nach der 40-Grad-Wäsche immer noch nach seinem Schweiß riechen. Weil er, der muskelbepackte und muskelbemalte Musterathlet, stets alles rein- und rausgehauen hat in beiden Lagern.

Balljäger, Balleroberer, Antreiber & manchmal Torschütze

Löhmannsröben trug hier das Trikot mit der 6 und dort das Trikot mit der 6. Erst zwei Jahre in Magdeburg, dann eine Spielzeit, die vorige nämlich, bei den Pfälzern. Also erst bei den Blauen, dann bei den Roten. Bei den roten Teufeln. Dort war dieser Löhmannsröben im Sinne des Wortes ein echter Teufel auf dem Spielfeld: Als Balljäger, Balleroberer, Antreiber und manchmal gar als Torschütze.

Doch was erzählen wir hier: Bei den Magdeburgern war er dies auch. Doch doppelt so lange, doppelt so erfolgreich, doppelt so beliebt. Dort erlebte er jene Spielzeit, in der die Magdeburger zwei Drittel dieses Fußball-Marathons auf einem Aufstiegsplatz rangierten, doch am Ende noch abgefangen und wie im Jahr zuvor nur Tabellenvierter wurden. „Plötzlich haben wir doch das große Flattern bekommen“, erinnert sich Löhmannsröben. Das war im Mai 2017, ein bitterer Abschied.

Dort laufen die Fans immer noch mit meinem Namen auf dem FCM-Fantrikot durch die Gegend. (über Magdeburg)

Mit seinem aktuellen Teamkollegen Jan Glinker ist er neulich mal wieder zu einem Heimspiel nach Magdeburg gefahren und hat gleich freudig dies registriert: „Dort laufen die Fans immer noch mit meinem Namen auf dem FCM-Fantrikot durch die Gegend“, berichtet Löhmannsröben im Gespräch mit Liga-Drei.de und ergänzt: „Und dauernd haben sie mir zugerufen: Komm zurück, Jan, wir brauchen Dich!“

Das Mentalitäts-Monster

Wer sich mit Löhmannsröben über die beiden Spektakel-Stationen seiner Karriere unterhält, gönnt ihm die geschwellte Brust in seinen Erzählungen. Denn offensichtlich hat sein Stolz eine tiefere Bedeutung. Er wirkt, als möchte er uns fragen: Ist es nicht seltsam, kurios, gar ein wenig tragisch, dass ich, Jan Löhmannröben, dieser Fußballer mit meinen 28 Jahren, meiner Erfahrung aus 135 Drittliga-Spielen und rund 280 Einsätzen insgesamt, der viele dieser bedeutenden fußballerischen Tugenden dieser Spielklasse ideal verkörpert, an diesem kommenden Samstag weder das eine noch das andere Trikot tragen wird? Obwohl sich doch die Trainer beider Lager nach einem Mentalitäts-Monster, wie ich es doch bin, aktuell regelrecht sehnen?

Wenn Jan Löhmannsröben dies gemeint und uns danach gefragt hätte: Wir hätten womöglich mit einem klaren „Ja“ geantwortet und hätten die Vermutung in die Bewertung gesteuert, dass weder der Bruch damals mit den Magdeburgern noch die Trennung in diesem Frühsommer in Kaiserslautern primär mit seinem Fußballspiel zu tun haben könnten. In beiden Fällen liefen die Verträge aus, in beiden Fällen gab es kein neues Angebot. Nein, dies war nach Lage der Dinge weder hier noch dort ein Rausschmiss. Und doch wirkte es beide Male so.

Entweder man mag das oder man mag es nicht. (über seine Tattoos)

Doch Löhmannsröben hat nicht direkt gefragt und doch schien ihn dies zu beschäftigen in unserem Gespräch. Wir wissen nicht, wann, wo und weshalb er mal einen wichtigen Klubentscheider auf die Füße getreten haben könnte und so persönlich unversöhnlich angeeckt ist.

Dass bei Löhmannsröben beinahe jeder Muskel tätowiert ist, war zumindest den Lauterern bekannt. In Magdeburg waren die größten davon erst entstanden. Wie der Kopf des Löwen auf seinem rechten Oberschenkel: „Entweder man mag das oder man mag es nicht“, sagt Löhmannsröben bei diesem Thema stets und verweist so auf die alte Weisheit, dass sich über Geschmack nun einmal nicht streiten lässt.

Womöglich aber unterschätzt er ein wenig, wie viele Verantwortliche im Profisport dies in ihrem Aktionsfeld eher nicht mögen. Sogar der große Vidal, der Weltstar, stieß bei den Bayern auf mehr Ablehnung, als er sich jemals vorstellen konnte.

Jan Löhmannsröben im Spiel gegen Zwickau.

Wenig später platzte Jahn Löhmannsröben der Kragen und er setzte zu seiner berühmten Cornflakes-Rede an. ©imago images/Picture Point

Löhmannsröben sagt über sich, er sei ein Dickkopf. Dass ihm im Rausch des Triumphs auch schon mal der Kamm schwellen könne. Und wenn er glaube, dass er ungerecht bewertet werde, mit ihm die Gäule durchgehen können. So geschehen bei einem Match zwischen Lautern und Zwickau, als er sich in der Nachspielzeit extrem benachteiligt fühlte und dem Schiedsrichter wenige Minuten später im TV-Interview empfahl, lieber Eier zu bemalen und Cornflakes zu zählen, anstatt so wichtige Spiele zu verpfeifen.

Cornflakes für den DFB

Die Folgen damals spektakulär und auch Thema bei Liga-Drei.de: Geboren war die Cornflakes-Affäre. Entstanden, weil Löhmannsröbens Spontanität bei Youtube zur Attraktion aufstieg, der DFB ihn mit einer Geldstrafe züchtigte, Lautern-Fans mit einem Dutzend Umzugskisten voller Cornflakes beim DFB protestierten und weil der DFB diese als Spende dann an die Tafeln für Hilfsbedürftige weiterleitete. Was dann am Ende wohl das Beste von allem war.

Ein Medienspektakel und mittendrin: Jan Löhmannsröben. Sein Auftritt wurde zum Klick-Hit in den neuen Medien, denn viele Menschen reagierten durchaus begeistert: Da ist einer endlich mal authentisch, ehrlich, emotional. Davon bitte mehr im Profifußball – so der Tenor, dem wir uns übrigens vom Grundsatz her durchaus anschließen mögen.

Tabledance am Ballermann

Und wenn dieser Löhmannsröben mal so richtig feiert? Dann vergisst er schon mal vollends, dass er als Profikicker nicht allein für sich Verantwortung trägt, sondern auch für seinen Klub. Als er einmal – nicht mehr ganz nüchtern – in einer Partykneipe am Ballermann einen Tabledance untenrum vollendet, halten Mallorca-Touristen längst mit Handy-Kameras drauf. Und so wird auch dieses Ereignis im Juni 2017 ein Paukenschlag auf Youtube mit dem Hauptdarsteller Jan Löhmannröben.

Die Trennung vom 1.FC Magdeburg war zu diesem Zeitpunkt schon beschlossene Sache. „Ich hätte seine sportlichen Fähigkeiten gern weiter bei uns entwickelt und für unser Team genutzt, doch Jan war sich sicher, dass die 2. Bundesliga auf ihn wartet“, erklärt Jens Härtel im Gespräch mit Liga-Drei.de.

Doch die Ferien am Ballermann gerieten für den strippenden Kicker zu einem sehr teuren Vergnügen: Der geplante Karrieresprung platzte danach wie ein Luftballon im Visier einer Stecknadel.  Die Interessenten sprangen ab. Allein Liga3-Aufsteiger Jena störte sich zu diesem Zeitpunkt nicht an dem schlüpfrigen Auftritt im Partyrausch.

Der Klub bekam einen Haudegen, den er ja ohne diesen Makel niemals bekommen hätte. So entstand Löhmannsröbens Zwischenstation auf dem Weg von Magdeburg nach Kaiserslautern. Und alle profitierten: Jena blieb in der Liga, Löhmannsröben überzeugte  wieder als starker Fußballer und Kaiserslautern griff zu.

FCK-Fans befördern ihn in den siebten Himmel

So entstand Löhmannsröbens Zwischenstation auf dem Weg von Magdeburg nach Kaiserslautern. Und alle profitierten: Jena blieb in der Liga, Löhmannsröben überzeugte wieder als starker Fußballer und Kaiserslautern griff zu.

Dort, so berichtet Löhmannsröben, wähnte er sich endlich angekommen im großen Fußball. Mit diesen Fans, die noch die wahren großen Fußballtage miterlebt haben. Mit dieser Westkurve, in der ein ganz harter Kern der Anhängerschaft in der Lage gewesen sei, „mich als FCK-Torschützen nach einem erzielten Treffer in den siebten Himmel zu befördern.“

In Magdeburg sind Feindseligkeiten gegen das eigene Team absolut Tabu. (über die FCM-Fans)

Anderseits, sobald nicht viel rundläuft auf dem Spielfeld, seien es eben genau diese Chormitglieder, die dann recht schnell ungemütlich werden. „Und das“, erinnert sich Löhmannsröben voller Unbehagen, „kann die eigene Mannschaft, wenn sie schon länger nicht stabil ist, ganz schön verkrampfen.“ Und bei dieser Gelegenheit erwähnt er gern: „In Magdeburg sind Feindseligkeiten gegen das eigene Team absolut tabu und somit nie vorgekommen.“

Lob für Frontzeck

In der vorigen Spielzeit hat Löhmannsröben in Kaiserslautern dieselbe Veränderung erlebt, wie sie aktuell vonstatten geht und für Fragezeichen sorgt. Damals musste Frontzeck als Cheftrainer gehen, den er persönlich sehr schätzte, weil der, wie er sich erinnert, „stets eine positive Ruhe ausstrahlte“. Damals überbrückte Co-Trainer Bugera, ehe Hildmann kam. Diesmal nun steigt der Neue direkt ein: Boris Schommers.

Da er mit seinem neuen Team von Wacker Nordhausen bereits am Freitagabend aktiv ist, hat er sich fest vorgenommen, sich die TV-Übertragung der großen Premiere ganz genau anzuschauen, um sich dabei noch einmal so richtig hineinfallen zu lassen in das Match. Die beiden Trikots mit der 6 will er dann rechtzeitig heraussuchen und erst einmal neben sich legen.

Ich würde gern am Samstag für Magdeburg spielen. (über das Duell seiner Ex-Klubs)

Auf unsere Frage, ob er lieber im roten Lauterer oder im blauen Magdeburger Trikot in diesem Kräftemessen seiner Ehemaligen dabei sein würde, brauchte er ein Weilchen für seine Antwort. Dann öffnete sich sein Fußballherz so: „Wenn ich diesen Wunsch frei hätte, würde ich gern am Samstag für Magdeburg spielen.“

Doch ein kleines Hintertürchen möchte er sich doch noch offen halten. Bei den Lauterern schließlich stürmt sein bester Freund, Timmy Thiele. Mit ihm ist er bei Hertha BSC in der fußballerischen Ausbildung gewesen. Ihm hat er in Jena so manches Tor aufgelegt, mit ihm ist er gemeinsam nach Kaiserslautern gewechselt und eben auch dort gemeinsam durch dick und dünn gegangen.

„Sollte er einen großen Tag erleben, dann ziehe ich für den Rest des Tages mein Lautern-Shirt an“, verspricht er. Und nun verstehen wir tatsächlich besser, warum auch das FCK-Trikot doch noch griffbereit bleiben soll…

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