Waldhof Mannheim: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Mittwoch, 09.09.2020 | 05:30
Jesper Verlaat am Ball.

Jesper Verlaat ist einer von acht Neuen beim Waldhof. ©imago images/foto2press

Einen einstelligen Tabellenplatz rief der Präsident von Waldhof Mannheim, Bernd Beetz, im Vorjahr aus. Der wurde mit Rang neun zwar erreicht, wirklich zufrieden war der Aufsteiger damit aber nicht. Die Quadratestädter hatten zuvor eine furiose Runde gespielt, waren lange Zeit in unmittelbarer Nähe zu oder gar auf einem der Aufstiegsränge zu finden und hatten so Chancen auf den Durchmarsch. Auf die sorgenfreie Runde folgte jedoch ein gewaltiger Umbruch.

Kader & Transfers

Dieser betraf auch einige Stammspieler, die Ihr Glück andernorts suchten. Kapitän Kevin Conrad entschied, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern und wieder in die Regionalliga Südwest zurückzukehren, eine Etage nach oben ging es unterdessen für Michael Schultz, der Eintracht Braunschweig in die 2. Bundesliga begleitete.

In der Offensive blieb kaum ein Stein auf dem anderen, mit Arianit Ferati und Mohamed Gouaida sowie dem aktuell verletzten Dorian Diring blieben lediglich drei Akteure über das Saisonende hinaus. Valmir Sulejmani geht erneut für seinen Jugendklub Hannover auf Torejagd, während Gianluca Korte (Wehen Wiesbaden) und Maurice Deville (Saarbrücken) innerhalb der 3. Liga wechselten.

Fünf Stammspieler müssen somit ersetzt werden. Während mit Marcel Hofrath bereits ein Nachfolger für Conrad, der häufig auch als Linksverteidiger eingesetzt wurde, bereitsteht, wurde für die Innenverteidigung Jesper Verlaat verpflichtet. In Sandhausen ins zweite Glied gerückt, erhofft sich der Niederländer in Mannheim wieder größere Spielanteile.

In der Offensive hingegen ist die Anzahl der Neuzugänge noch überschaubar. Nach dem Abstieg mit Großaspach blieb Dominik Martinovic der 3. Liga erhalten, auch Rafael Garcia (Chemnitz) und Anton Donkor (Jena) haben Spielzeiten hinter sich, die enttäuschend verliefen.

Drittliga-Erfahrung bringen aber auch Unur Ünlücifci (Großaspach) Hamza Saghiri (Viktoria) und Marcel Costly (Magdeburg) mit. Auffällig in dieser Transferperiode: Der Waldhof verjüngt sich, Garcia ist mit 26 Jahren der älteste Neuzugang. Kurzfristig verpflichtet wurde zudem noch der 24-Jährige Joseph Boyamba.

Die aktuelle Form

Mit einem 2:1 über Verbandsligist Fortuna Heddesheim startet der Waldhof in die Vorbereitung, dem KSC musste man sich mit 1:2 geschlagen geben. Ungefährdet hingegen wurde der Landespokal gewonnen. Der ASC Neuenheim im Halbfinale (3:0) und der FC Nöttingen im Finale (4:1) stellten keine Stolpersteine dar.

Stärken & Schwächen

Im Vorjahr herrschte nach dem Aufstieg eine Euphorie, die konserviert werden konnte und den Waldhof durch weite Teile der Saison trug. Die Aufstiegsmannschaft blieb zudem in großen Teilen zusammen und wurde punktuell verstärkt. Mit Bernhard Trares herrschte Kontinuität auf dem Trainerstuhl, dessen klare Handschrift zu erkennen war.

Neben einigen wichtigen Spielern ist nun allerdings auch Trares weg, dessen Nachfolger Patrick Glöckner musste in einigen Mannschaftsteilen quasi bei Null anfangen. Keine leichte Aufgabe, wie die bisherigen Bemühungen auf dem Transfermarkt zeigen. Die Offensive ist rund zwei Wochen vor dem Saisonstart weiterhin spärlich besetzt, mit Dominik Martinovic steht aktuell nur ein Mittelstürmer unter Vertrag.

Dieser gehört zu den fünf der acht Neuen, die im Vorjahr einen Abstieg erlebten, Verlaat und Costly waren zudem keine Stammspieler. Vor Selbstvertrauen strotzen wird somit keiner von ihnen, Glöckner wird den unter Umständen noch herrschenden Frust in konstruktive Bahnen lenken müssen. Genau das kann aber zu einer „Jetzt-erst-Recht“-Mentalität führen, auch Glöckner selbst dürfte nach dem Abstieg mit Chemnitz noch etwas Wut im Bauch verspüren.

Stark war der Waldhof zudem besonders in fremden Stadien, nur Ingolstadt und Meppen waren auswärts noch erfolgreicher. Eine bessere Platzierung als Platz neun verhinderten daher die Heimspiele, wo lediglich fünf Siege eingefahren werden konnten.

Patrick Glöckner während des Pokalspiels gegen Nöttingen.

Patrick Glöckner tritt in Mannheim ein schweres Erbe an. ©imago images/foto2press

Der Trainer

Die Ähnlichkeiten im Spielstil zwischen dem CFC unter Glöckner und dem Waldhof unter dessen Vorgänger Bernhard Trares waren nicht von der Hand zu weisen. Beide Mannschaften kamen immer wieder über schnelles Umschaltspiel in aussichtsreiche Situationen, doch auch in Ballbesitz fanden sie immer wieder Lösungen.

Diese Marschroute darf auch vom SVW unter Glöckner erwartet werden, der zudem erstmals in Liga drei Einfluss auf die Kaderzusammenstellung nehmen kann: In Chemnitz übernahm er vor Jahresfrist erst nach dem 9. Spieltag. Mit Costly, Donkor und Garcia verpflichtete Mannheim Spielertypen, die zu diesem Ansatz passen, auch wenn es bei genauerer Betrachtung des Kaders an der Quantität in der Offensive mangelt.

Die mögliche Startelf

Fazit & Prognose

Im zweiten Jahr nach einem Aufstieg tun sich viele Mannschaften schwerer, dieses Schicksal erwarten wir auch beim Waldhof. Ohne die Euphorie des Aufstiegs und mit der Last des personellen Umbruchs reicht es nur für die untere Tabellenhälfte, auch wenn Mannheim die Klasse halten wird. Unsere Prognose: Mehr als Platz 15 ist nicht drin.

Wen lässt der Waldhof hinter sich? Hier geht’s zu den restlichen Teamchecks.