FCK: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Sonntag, 06.09.2020 | 09:00
Marius Kleinsorge im Test gegen Wehen Wiesbaden

Marius Kleinsorge kam aus Meppen und soll die rechte Seite beleben. ©imago images/Jan Huebner

In der 3. Liga an den Start zu gehen, das lässt sich nur schwer mit dem Selbstbild des FCK vereinen. Trotzdem stehen die „Roten Teufel“ vor ihrem dritten Jahr in dieser Spielklasse. Am Kader wurden daher, auch auf Grund von Abgängen, einige Änderungen vorgenommen. Doch reichen diese aus, um ganz oben anzugreifen?

Kader & Transfers

Elf Spieler kehrten dem FCK in diesem Sommer bislang den Rücken. Während der Abgang von Lennart Grill (Leverkusen) frühzeitig feststand und durch Avdo Spahic aufgefangen werden soll, buhlte Heidenheim lange um Christian Kühlwetter und Florian Pick. Mit Erfolg: Die beiden treffsichersten Angreifer der Vorsaison werden künftig auf der Ostalb statt dem Betzenberg auflaufen.

Mit Timmy Thiele (Viktoria Köln) und Andri Runar Bjarnason (Esbjerg fB) gingen zwei weitere Angreifer. Für Torgefahr soll künftig Marvin Pourié sorgen, der für ein Jahr aus Karlsruhe geliehen wurde und seine Torgefahr in Liga drei bereits unter Beweis stellen konnte.

Wieder da ist Elias Huth, dessen Leihe nach Zwickau mit 14 Toren in 31 Einsätzen den gewünschten Effekt hatte. Damit die Stürmer auch gefüttert werden, lotste der FCK Nicolas Sessa zurück in Liga drei. Dort will der spielstarke Mittelfeldakteur nach einem verschenkten Jahr in Aue neuen Anlauf nehmen, wurde aber bereits durch eine Verletzung ausgebremst.

Alexander Winkler (Unterhaching) soll die Innenverteidigung verstärken, während Tim Rieder (Augsburg) sowohl zentral in der Viererkette als auch im defensiven Mittelfeld für Stabilität sorgen kann. Für die linke, defensive Außenbahn wurde Adam Hlousek (Viktoria Pilsen) verpflichtet, der bereits vor rund neun Jahren im FCK-Dress auflief.

Keine Rolle mehr spielte in den zurückliegenden Monaten Christoph Hemlein, der nach Meppen weiterzog. Den umgekehrten Weg schlug Marius Kleinsorge ein, der im Emsland seine Drittligatauglichkeit bereits nachgewiesen hat und die Flügel des FCK beleben soll.

Die aktuelle Form

Während der Vorbereitung bestritt der FCK bereits zwei Pflichtspiele im Landespokal. Wirklich überzeugen konnte die Elf von Trainer Boris Schommers weder im Halbfinale gegen den SV Morlautern (2:1), noch im Finale gegen Alemannia Waldalgesheim (5:3 nach Elfmeterschießen). Immerhin gelang so die Qualifikation zum DFB-Pokal, wo Mitte September Jahn Regensburg wartet. Dem zukünftigen Ligakonkurrenten Wehen Wiesbaden unterlag man Anfang September mit 0:1.

Die Generalprobe gegen Sandhausen gelang dagegen: 3:0 wurde der Zweitligist geschlagen. Ein Freistoßtor von Carlo Sickinger machte den Anfang, ehe Marius Kleinsorge einen Doppelpack schnürte.

Stärken & Schwächen

Mit Pick, Kühlwetter & Thiele musste der FCK in diesem Sommer seine drei erfolgreichsten Angreifer ziehen lassen. Gemeinsam erzielte das Trio 37 der 59 Treffer im Vorjahr und hinterlässt damit eine gewaltige Lücke. Ob das Dreigestirn Kleinsorge, Pourié und Huth, das zukünftig in vorderster Front zu erwarten ist, die wird füllen können, bleibt abzuwarten.

Ein weiteres Puzzlestück hierbei dürfte Nicolas Sessa sein. Im Trikot des VfR Aalen bewies er, ein Spielmacher mit Zug zum Tor zu sein. Ob er diese Eigenschaften nach einem Jahr mit lediglich zwei Kurzeinsätzen und seiner Verletzung während der Vorbereitung aber auf Anhieb abrufen kann, dürfte der Erwartung zuviel sein.

Apropos Erwartung: Die ist bekanntlich groß auf dem Betzenberg und setzt Mannschaft plus Trainerteam zusätzlich unter Druck. Hinzu kamen in der jüngeren Vergangenheit immer wieder interne Grabenkämpfe, die gerne öffentlich ausgetragen wurden und so für weitere Unruhe sorgten.

Die hätte die Mannschaft aber nötig, um endlich Konstanz in ihre Auftritte zu bekommen. Abgesehen von einer fünf Partien andauernden Phase im November und Dezember des Vorjahres, konnte die Mannschaft 2019/20 keine zwei Spiele in Folge gewinnen.

Boris Schommers im FCK-Training.

Seit rund einem Jahr hat Boris Schommers beim FCK das sportliche Sagen. ©imago images/Werner Schmitt

Der Trainer

Im September 2019 folgte Boris Schommers auf Sascha Hildmann und ist damit bereits der dritte Cheftrainer, der sich an der Aufgabe versuchen darf, den Traditionsverein wieder zurück ins Unterhaus zu hieven. Der 41-Jährige erwartet von seiner Mannschaft, dass sie auf dem Platz spielerische Lösungen findet, was im Vorjahr nur phasenweise gelang.

Die individuelle Klasse und vor allem die Tore von Pick und Kühlwetter ließ einige Partien zugunsten der „Roten Teufel“ kippen, das Duo ist aber weg. Schommers wird Alternativen finden und seiner Mannschaft einen Plan an die Hand geben müssen – Wohlwissend, dass der Geduldsfaden des Umfelds und der Verantwortlichen bei ausbleibendem sportlichen Erfolg nicht sonderlich belastbar ist.

Die mögliche Startelf

Fazit & Prognose

Der offensive Substanzverlust der Pfälzer ist enorm und dürfte nicht über Nacht aufgefangen werden. Ohnehin wird die größtenteils umgestaltete Offensive Zeit benötigen, sich zu finden und Abläufe zu verinnerlichen. Den Angriff auf einen der Aufstiegsplätze trauen wir dem FCK daher nicht zu.

Die individuelle Qualität ist aber weiterhin hoch und hebt den Klub von einem Großteil der Liga ab. Auch wenn sich die „Roten Teufel“ nicht in der 3. Liga sehen, werden sie dort über das Saisonende 2020/21 hinaus bleiben: Wir erwarten sie zwischen Platz sechs und sieben.

Wer landet vor dem FCK? Hier alle bisher veröffentlichten Teamchecks ansehen.