Hansa Rostock: Dotchev glaubt an Pokal-Überraschung

Ex-Trainer über den Hattrick gegen Stuttgart

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Freitag, 11.09.2020 | 08:00
Pavel Dotchev an der Seitenlinie der Viktoria.

Seit Juli 2019 steht Pavel Dotchev an der „Schäl Sick“ in der Verantwortung. ©imago images/MaBoSport

Der bevorstehende Pokal-Hattrick zwischen Hansa Rostock und dem VfB Stuttgart löst so mancherlei amüsiertes Kopfschütteln aus: 2018 Hansa gegen VfB, 2019 Hansa gegen VfB. Und nun am Sonntag schon wieder Hansa gegen VfB.

Auch Pavel Dotchev muss im Gespräch mit Liga-drei.de darüber lachen und bemerkt: „Das ist so, als wenn jede Woche dieselben Lottozahlen kämen“. Doch nach einem kurzen Nachdenken ergänzt er: „Allerdings bin ich mir sicher, dass mein Kollege Jens Härtel gegen diese Pokal-Eintönigkeit überhaupt nichts hat.“

Was Dotchev damit meint, ist, dass Fußballer nicht so schnell vergessen, wo und wann sie eher schlecht aussahen und allein mit viel Dusel noch einmal davongekommen sind. „Der VfB kommt auch diesmal sehr grübelnd nach Rostock“, sagt Dotchev und erinnert seinen Ex-Klub an dieser Stelle gern an die starken Vorstellungen gegen den VfB in den beiden vorherigen Kräftemessen.

über Hansas 2:0 gegen den VfB 2018
„ Eine Topleistung voller Präsenz, voller Mut und voller Überzeugung. ”
Pavel Dotchev

Denn auch bei seinem 1:0-Ruckel-Zitter-Sieg vor einem Jahr konnte sich der VfB alles andere als mit Ruhm beklettern. Hansa war stark, Hansa machte Druck, Hansa hatte Chancen, doch die Kicker des VfB durften an diesem Abend das Ostseestadion als ihren Himmel auf Erden verbuchen. „Wer ein Fußball-Wunder schaffen will, der braucht auch mal das Glück beim Torschuss“, haderte Jens Härtel, Dotchevs Nachfolger, damals.

Im Jahr zuvor lief es ja sogar noch viel besser für den FC Hansa. Pavel Dotchev war als Coach in Rostock selbst maßgeblich beteiligt, als seine Kogge-Kicker den großen VfB förmlich niederrannten, niederkämpften und niederspielten. Somit erinnert er sich an diesen Pokal-Coup noch so genau, als sei er erst vor kurzem gelungen: „Erst ein frühes, dann ein spätes Tor und dazwischen eine Topleistung voller Präsenz, voller Mut und voller Überzeugung, diesen großen Gegner packen zu können und zu wollen“, berichtet Dotchev über eines seiner nachhaltigsten Pokal-Abenteuer gegen die Großen aus der Bundesliga.

Pavel Dotchev beim Jubellauf.

Jubellauf: Nach dem 2:0 über Stuttgart im August 2018 gab es auch bei Pavel Dotchev kein Halten mehr. ©imago images/Pressefoto Baumann

Pavel Dotchev gilt als so etwas wie der Veteran unter den Fußball-Lehrern in der 3. Liga. Die Branche mag ihn. Seine Spieler schätzen an ihm seine Ruhe und seine Empathie, vor allem dann, wenn es mal nicht so rund läuft. Und seine Kollegen vertrauen ihm wegen seines respektvollen Miteinanders und seiner großen Erfahrung.

Aufstiegserfahren in Liga drei

Denn allemal ist Dotchev der Primus unter ihnen: Mit 248 Auftritten in dieser Spielklasse sowie mit 176 Einsätzen für SC Paderborn und RW Erfurt, als drittklassiger Fußball hierzulande noch in Süd und Nord geteilt war und sich noch Regionalliga nannte. Die 2. Bundesliga erlebte er in Paderborn und in Aue, wo er zuvor auch jeweils den Aufstieg realisiert hatte.

Doch jetzt steht Pavel Dotchev vor einer neuen Herausforderung. Einer seiner Größten. Dieselben Trainerkollegen, die ihn so sehr loben, werden ihn nach diesem Pokal-Wochenende vor dem Start des neuen Fußball-Marathons der 3.Liga in die Poleposition drängen und so die Rolle des Favoriten aufbürden.

Denn wohl niemand in dieser Spielklasse hat sich so auffällig mit renommiertem, fußballspielendem Personal verstärken können wie Pavel Dotchev bei Viktoria Köln. Mäzen und Hauptsponsor Franz-Josef Wernze hat Dotchev diesmal nahezu jeden Wunsch erfüllt. So sind Viktoria auf dem Transfermarkt Spieler ins Netz gegangen, für die auch eine Spielklasse höher Nachfrage bestanden haben wird.

über den Erfolgsdruck mit Viktoria Köln
„ Kein Problem, in die Riege der Liga-Favoriten aufzurücken. ”
Pavel Dotchev

Hier drei Beispiele: Mit Marcel Risse vom großen Nachbarn 1.FC Köln gewinnt Dotchev für sein Team einen weiteren Leader-Spieler. Sebastian Mielitz kommt aus Norwegen und stand früher bei Werder Bremen im Bundesliga-Tor. Timmy Thiele ist ein Volldampfstürmer und bringt punktgenau 60 Scorer-Punkte aus 135 Einsätzen in der 3. Liga mit nach Köln-Höhenberg. Rund 300 Tausend Euro kassiert der 1.FC Kaiserslautern als Transferentschädigung, die wie ein Sanierungsbeitrag wirkt.

Der erfahrene Coach hat selbstverständlich längst Wind bekommen davon, dass ihn die Trainerkollegen mit Vorschusslorbeeren regelrecht befeuern wollen. Deshalb lächelt Dotchev auch dieses Hin- und Her-Geschiebe des Erfolgsdrucks am liebsten beiseite und bemerkt stattdessen: „Wir haben überhaupt kein Problem damit, plötzlich in aller Munde zu sein und in die Riege der Liga-Favoriten aufzurücken. Im Gegenteil: Eine viel zu lange Zeit ist es verdammt ruhig gewesen hier bei Viktoria. Jetzt kann es überhaupt nicht schaden mit einer neuen öffentlichen Wertschätzung an die Arbeit zu gehen. Hierbei halte ich es gern mit Otto Rehhagel und dessen Worten: So oder so – die Wahrheit liegt auf dem Platz.“

über den verpassten Landespokal-Sieg
„ Gegen die großen Bayern hätte ich sehr gern endlich einmal gespielt. ”
Pavel Dotchev

Dass Pavel Dotchev an diesem Pokal-Wochenende nur Zuschauer ist ärgert ihn sehr. Mitten im Kampf um die Existenz in der 3. Liga waren Dotchev und sein Team im Landespokal frühzeitig Knockout gegangen, doch seit dem Gewinner des Verbandes Mittelrhein der Hauptgewinn zugelost worden ist, gibt Dotchev zu, dass der moralische Kater wieder spürbar ist: „Meine Hochachtung und meinem Glückwunsch gilt dem 1.FC Düren, doch gegen die großen Bayern hätte ich sehr gern endlich einmal gespielt“, stellt Dotchev klar.

Denn oft genug hat er mit seinen Teams diesen magischen Moment erleben dürfen, in einem einzigen Spiel das Defizit an fußballerischer Qualität wettmachen zu können: Hat mit Preußen Münster und mit dem damaligen Dreifach-Torschützen Mathew Taylor Werder Bremen nach 120 Minuten 4:2 besiegt und aus dem DFB-Pokal gekickt. Hat mit dem damals noch in der 3. Liga agierenden FC Erzgebirge Aue die Frankfurter Eintracht 1:0 geschlagen und so aus allen Pokalträumen gerissen.

Glaube an Hansa

Über ein gewisses 4:2 mit dem SC Paderborn über den Hamburger SV, für den er einst in der Bundesliga als Mittelfeldspieler aktiv gewesen ist, spricht er bewusst nicht. Dieses von Schiedsrichter Hoyzer manipulierte Ereignis markiert Dotchev auch heute noch konsequent „als dunkelste Stunde meiner Karriere“.

Umso lieber denkt er an seinen 2:0-Pokal-Triumph über den VfB Stuttgart vor zwei Jahren sowie über die guten Aussichten des aktuellen Hansa-Teams in der neuen Kraftprobe beider Vereine nach: „Ich bin überzeugt, auch Hansa hat eine neue Mannschaft zusammen, die noch besser besetzt ist als in der vorigen Saison“, meint Pavel Dotchev und bringt damit sogleich zwei aktuelle Themen unter einen Hut: „Erstens glaube ich, dass Hansa in dieser Runde einer der aussichtsreichsten Kandidaten für eine Pokalüberraschung ist. Zweitens bin ich komplett überzeugt, dass die Rostocker ebenfalls zu den Topfavoriten in der 3. Liga zählen.“

Weil der Pokal für Viktoria Köln ausfällt, ist bei Pavel Dotchev bereits alles auf die 3. Liga ausgerichtet. Die Mannschaft testet am Samstag gegen KFC Uerdingen und am Sonntag hofft Pavel Dotchev auf frische Erkenntnisse über den SVW Mannheim.

Das Pokalmatch des Kölner Auftaktgegners gegen den SC Freiburg soll als Grundlage für einen gelungenen Start in die 3. Liga dienen. Denn Pavel Dotchev kramt noch einmal in die Schatztruhe seines Erlebens, wenn er bemerkt: „Pokalspiele sind Endspiele, in denen sich kein Spieler auch nur fünf Minuten lang verstecken kann. So bleibt nichts im Verborgenen.“

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