Hansa Rostock: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Montag, 07.09.2020 | 16:00
Jan Löhmannsröben im Test gegen Braunschweig.

Jan Löhmannsröben kennt Hansa-Coach Jens Härtel bereits aus gemeinsamen Zeiten in Magdeburg. ©imago images/Christian Schroedter

Nach durchwachsenem Saisonstart konnte sich Hansa Rostock im Vorjahr stabilisieren, gegen Ende der Spielzeit schnupperte die „Kogge“ gar an den Aufstiegsplätzen. Die wurden denkbar knapp verpasst, mit vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz kam der Klub als Tabellensechster über die Ziellinie – zum dritten Mal in Folge. Nun wurde der Kader auf einigen Positionen umgekrempelt. Ob das für einen Angriff auf die ersten drei Plätze reicht, prüfen wir in unserem Teamcheck.

Kader & Transfers

14 Spieler hat Hansa in diesem Sommer abgegeben, manche von ihnen hinterließen eine Lücke. Aaron Opoku, der nur vom HSV geliehen war, steigerte sich im Saisonverlauf zu einem wichtigen Akteur auf dem Flügel, mit Kai Bülow (Karriereende) und Mirnes Pepic (Duisburg) ging das Mittelfeld-Zentrum.

Dieses wurde im Gegenzug aber neu bestückt. Mit Bentley Baxter Bahn (Halle) wurde die wichtige Position vor der Abwehr mit Spielwitz aufgefüllt, Jan Löhmannsröben (Münster) steht eher für das rustikale Element und bringt viel Mentalität mit. Ohnehin hielt Trainer Jens Härtel an seiner Vorliebe fest, ihm bereits vertraute Spieler an Bord zu holen.

Björn Rother (Magdeburg) und Manuel Farrona Pulido (Osnabrück) kennen ihn bereits aus gemeinsamen FCM-Zeiten. Grundsätzlich ist der Kader kleiner geworden, hat aber nicht an Tiefe verloren, im Gegenteil: Vielseitigkeit wurde bei der Suche nach Neuzugängen in den Vordergrund gerückt, jeder von ihnen kann mindestens auf zwei verschiedenen Positionen eingesetzt werden.

Die aktuelle Form

Das führte dazu, dass Härtel in der bisherigen Vorbereitung in den Spielen viel rotierte. In verschiedenen Formationen durften sich die Spieler auf verschiedenen Positionen zeigen. Mit einem 1:0 über Anker Wismar startete die „Kogge“ in den Sommer, es folgte ein 5:2 über den Berliner AK. Im dritten Test setzte es mit 0:1 die erste Niederlage, auch wenn Hansa gegen den Zweitligisten durchaus zu überzeugen wusste.

Zwei Pflichtspiele standen im Landespokal auf dem Plan, wo gegen den FC Schönberg (5:0, Halbfinale) und den Torgelower FC Greif (3:0, Finale) neben deutlichen Siegen auch die Qualifikation für den DFB-Pokal eingefahren wurde. Dort wartet in der 1. Runde zum dritten Mal in Folge der VfB Stuttgart. Einem Sieg über Eintracht Braunschweig folgte ein 1:3 im abschließenden Test gegen Holstein Kiel.

Stärken & Schwächen

Die Aufstellungsbögen der Testspiele zeigten es bereits: Hansa Rostock wird in der kommenden Saison für die Gegner schwer auszurechnen sein. Jens Härtel nutzte seine flexibel einsetzbaren Spieler für einige Experimente, funktionierte auch den aus Karlsruhe gekommen Damian Roßbach zum Innenverteidiger um.

Doch nicht nur die Spieler, auch das System ist keinesfalls starr. Mit zwei Spitzen oder nur einer, einer Dreier- oder Viererkette – oftmals wusste der Beobachter erst kurz nach Anpfiff, in welcher Formation Hansa tatsächlich antritt. So werden sich die Gegner 2020/21 nur sehr schwer auf die „Kogge“ einstellen können.

Für Hansa selbst könnte diese Flexibilität aber auch zum Stolperstein werden. Sollte es bei vielen Umstellungen und/oder Positionswechseln während der Saison bleiben, ist von den Spielern höchste Konzentration gefragt, um nicht den Überblick zu verlieren. In der Vorbereitung wurde dieser Spagat zwar bewältigt, nun steht aber eine Saison mit wenigen Pausen an, was sich auf die Konzentrationsfähigkeit niederschlagen könnte.

Um nach drei sechsten Plätzen weiter nach oben zu klettern, muss sich Hansa zudem auf fremden Plätzen steigern. Als zweitbeste Heimmannschaft des Vorjahres behielt die „Kogge“ 37 Punkte an der Ostsee, mit 22 Punkten und damit Platz 14 in der Auswärtstabelle wurde die Chance auf die 2. Liga in fremden Stadien verspielt.

Jens Härtel beim Test gegen Braunschweig.

Jens Härtel sagt in Rostock, wo es langgeht. ©imago images/osnapix

Der Trainer

Im Januar 2019 übernahm Jens Härtel das Ruder der „Kogge“. Zuvor betreute der heute 51-Jährige fast viereinhalb Jahre lang den 1. FC Magdeburg, den er aus der Regional- in die 2. Bundesliga führte und damit bereits den Nachweis erbrachte, Mannschaften zum Aufstieg coachen zu können.

Das gelang jeweils auf Basis einer kompakten Defensive, die Hansa ebenfalls im Vorjahr auszeichnete – 43 Gegentreffer wurden nur von zwei Teams noch unterboten. Nach der Balleroberung soll es schnörkellos nach vorne gehen, woran es im Vorjahr phasenweise hakte. Hier muss Härtel ansetzen und der Mannschaft Lösungen an die Hand geben.

Die mögliche Startelf

Fazit & Prognose

Auf dem Papier hat Hansa Rostock seine Abgänge gut auffangen können, die Vorbereitung verlief im Großen und Ganzen ebenfalls vielversprechend. Mit welchem Personal und in welcher Formation die „Kogge“ in ein Spiel geht, wird dem jeweiligen Gegner wohl einiges an Kopfzerbrechen bereiten.

Verlieren die Spieler selbst nicht den Überblick und kristallisiert sich neben 15-Tore-Mann Pascal Breier ein weiterer treffsicherer Angreifer heraus, erwarten wir Hansa diesmal weiter oben als „nur“ auf Platz sechs: Rostock wird um den direkten Aufstieg mitspielen.

Mit wem streitet sich Hansa um die Aufstiegsplätze? Hier geht’s zu den weiteren Teamchecks.