Köstner: Manni Schwabl ist großartig für Haching

Der bedeutendste Trainer der SpVgg im Gespräch mit Liga-Drei.de

Claus Schromm und Lorenz Günther-Köstner

Immer noch nah dran: Ex-Haching-Trainer Lorenz-Günther Köstner (r.), hier mit Claus Schromm. ©Imago images/Hartenfelser

Die SpVgg. Unterhaching gehört zu den Lichtblick-Teams der 3. Liga. Ohne die aktuelle Arbeit des früheren Bundesligaprofis Manfred Schwabl schmälern zu wollen: Allerdings sind die nachhaltigsten Sympathien der Hachinger im ganzen Fußball-Land bereits in den späten 1990ziger Jahren entstanden. Lorenz-Günther Köstner war damals in zwei Etappen rund sechseinhalb Jahre Trainer dort und trug in 230 Hachinger Auftritten die Verantwortung. So ist er der bedeutendste Trainer in der Geschichte der SpVgg. Unterhaching.

Im ersten Teil, von 1994 bis 1997, stieg er mit den Hachingern in die 2. Bundesliga auf. Im Teil zwei, von 1998 bis 2001, steuerte er sie sogar in die Eliteliga des deutschen Fußballs. So war München die erste Stadt in der Geschichte der Bundesliga, die drei Vereine stellte: Die großen Bayern vorneweg, dann die Sechziger und plötzlich eben auch die Hachinger.

Die zwei Letzteren sind nun Gegner am Sonntag in der 3. Liga. Liga-Drei.de hat mit Lorenz-Günther Köstner über den Hachinger Fußball damals und heute sprechen können und dabei einen Trainer-Haudegen in Bestform angetroffen.

Lorenz-Günther Köstner, wir prüfen Ihr Gedächtnis: Was geschah am 20. Mai 2000?
Lorenz-Günther Köstner: „Mein Erinnerungsvermögen ist tip-top: Da haben wir in Unterhaching Bayer Leverkusen die Meisterschaft vermasselt. 2:0 gewonnen! So musste die Gesandtschaft des DFB mit der Trophäe unverrichteter Dinge wieder abreisen. Denn jetzt durften die Bayern plötzlich doch noch jubeln.“

So wurde Ihr Verein weltberühmt. Doch in „Vizekusen“ haben sie getobt, weil Ihre Spieler direkt zur Meisterfeier der Bayern gezogen sind…
Köstner: „Ich war an diesem späten Abend im „Aktuellen Sportstudio“ und wusste davon nichts. Plötzlich schalteten sie live hinüber zur Bayern-Party und mittendrin tanzten meine Jungs. Das war schon unangenehm für mich und so wirkte ich wohl auch recht verärgert damals. Aber mal ehrlich: Ist es nicht verständlich, wenn sich Underdogs wie wir in dieser Nacht als Meistermacher feiern ließen?“

Fragen Sie nach bei Christian Streich. (über die Tugenden der damaligen Hachinger)

Zumal Sie mit Ihrem Team diese Bundesliga-Spielzeit mit dem 10. Tabellenplatz abschließen konnten und dabei keineswegs allein die Herzen der Anhängerschaft der Bayern eroberten. Wie war das möglich?
Köstner: „Unsere Basispotenziale in Unterhaching waren schon damals die Gleichen, mit denen der SC Freiburg in der Neuzeit die Bundesliga aufmischt: Ich hatte eine stabile Gemeinschaft und eine verlässliche Kultur des Miteinanders. Wenn es einem Trainer gelingt, seinen Spielern klarzumachen, dass ein starker innerer Verbund Punkte bringt, dann er schon viel erreicht. Fragen Sie mal nach bei Christian Streich.“

In den beiden Bundesliga-Jahren gab es vier Hachinger Derbys mit den Sechzigern: Mit zwei Siegen für ihr Team, einem Remis und einer Niederlage. Wie erlebte Münchens Fußball solche Auftritte mit ausgeprägtem Hochstimmungs-Charakter?
Köstner: „Ich muss Sie ein wenig enttäuschen: München hatte längst sein Duell, das einen prachtvollen Derbystatus besaß: Sechzig gegen Bayern. Unser Eingreifen hielt sich eher in einem stiefmütterlichen Rahmen. Aber es stimmt: Wir haben die Löwen immer gut eingefangen und sogar auch die Bayern besiegt. Und sind bei alledem immer vorbildlich zu Werke gegangen und hätten beinahe den FIFA-Fairplay-Preis gewonnen. Mich mit meinen Spielern auch über Integrität und Anstand zu verständigen, war mir immer wichtig.“

Lorenz Günther Köstner bei der SpVgg Unterhaching

Erfolgstrainer: Lorenz-Günther Köstner führte die SpVgg Unterhaching einst in die Bundesliga. ©Imago images/Sven Simon

Sie stammen aus der oberfränkischen Region um Hof, waren u.a. Bundesligaprofi in Mönchengladbach, wurden dort 1975 als Spieler Deutscher Meister und UEFA-Cup-Sieger und auch als Co-Trainer von Christoph Daum 1992 Meister mit dem VfB Stuttgart Meister. Wie kam es zu dieser Zuneigung zwischen Ihnen und ausgerechnet den Hachingern?
Köstner: „Das war zunächst ein steter Flirt, der ungefähr vier Jahre dauerte, ehe es zum ersten Bündnis gekommen ist. Es gab drei Männer, denen ich dort blind vertrauen konnte: Dem Toni Schrobenhauser, Norbert Hartmann und Peter Grosser, der übrigens einst ein großer Spieler der Sechziger war und mit ihnen Meister geworden ist. Das waren damals die Macher in Haching und sie helfen auch heute noch, wenn sie gebraucht werden.“

Das Trio hatte eine gute Nase mit Ihnen: Sie steuerten den Verein direkt in die 2. Bundesliga, erzielten dort Platz vier, dann Platz sechs. Doch schwupp: Plötzlich hauten sie im Oktober ab. Ersetzten Neururer beim 1.FC Köln. Warum?
Köstner: „Ich gebe zu, dass solche Holterdiepolter-Aktionen nicht zu mir und auch noch nicht in die damalige Zeit passten. Doch zu meiner Ehrenrettung kann ich klarstellen, dass ich mit der SpVgg. Unterhaching immer bewusst nur Einjahresverträge abgeschlossen und just in jenem Jahr erstmals eine Ausstiegsklausel vereinbart hatte. Das blieb die einzige Untreue in meiner Karriere.“

Als sei ich nie weg gewesen. (über seine Rückkehr aus Köln)

Die Hachinger holten für Sie keinen Nachfolger. Stattdessen übernahm Toni Schrobenhauser, der ja zuvor auch einmal als Ersatz von Sepp Maier bei den Bayern beschäftigt war, einfach selbst. War den Hachingern klar, dass Sie schon acht Monate später zurückkommen würden, weil Sie Platz machen mussten für ein riesiges Medienspektakel: Für Bernd Schusters Rückkehr zum 1.FC Köln?
Köstner: „Auf jeden Fall haben wir nach meiner Herausforderung beim großen FC tatsächlich unsere Zusammenarbeit so problemlos reaktiviert, als sei ich nie weg gewesen. So konnten wir tatsächlich den großartigen Sprung in die Bundesliga mit diesem kleinen Verein realisieren.“

Wo steht die Spielvereinigung im Ranking Ihres Fußballherzens heute?
Köstner: „Selbstverständlich ganz oben. Das ist sicher. Ich hatte mehrere wunderbare Karrierestationen, doch Haching war ein Segen in meinem Trainerleben und ist es somit noch heute.“

Wie beurteilen Sie die aktuelle Schaffenskraft von Manfred Schwabl?
Köstner: „Großartig, einfach großartig. Er beherrscht das Repertoire: Von achtsam und umsichtig bis clever und geschäftstüchtig. Doch immer im Sinne der Menschen, um die es geht, und im Sinne des Fußballs in Unterhaching. Ich freue mich für ihn, weil ich weiß, dass er Vieles aus der eigenen Tasche auf den Weg gebracht hat. Ich drücke dem Manni an jedem Spieltag die Daumen, dass sie oben dranbleiben, um am Ende vielleicht den großen Sprung zurück in die 2. Bundesliga zu schaffen.“

Nichts Gutes über diese Abhängigkeit gehört. (über Schieflagen bei 1860)

Dem gegenüber polarisiert München 1860 extrem, seit der Verein für arabisches Kapital sein Recht auf ein selbstbestimmtes Handelns verkauft hat. Wie empfinden Sie diese Entwicklung?
Köstner: „Die Aussagekraft der sportlichen Schieflage seit der Fremdübernahme spricht für sich. Ich kenne alle Trainer, die seither bei den Sechzigern aktiv waren und habe noch nichts Gutes über diese Abhängigkeit gehört.“

Wir haben von Ihnen nie einen Abschied aus dem Trainerleben wahrgenommen, wie er zum Beispiel von Benno Möhlmann zu hören war. Ist der 67 Jahre alte Fußball-Lehrer Lorenz-Günther Köstner noch aktiv?
Köstner: „Bin ich. Und ich kann Ihnen versichern: In mir brennt immer noch das Feuer eines Trainers. Eine eigene Mannschaft existiert noch nicht wieder, doch ich bin immerhin noch projektweise am Ball.“

Dies bedeutet?
Köstner: „Mein damaliger Hachinger Spieler, der Alex Strehmel, ist seit einigen Jahren in den USA, in der Nähe von Detroit, als Ausbildungscoach aktiv. Einige Male bin ich bereits hinübergeflogen, weil er mich in speziellen Phasen des Trainingsprogramms brauchte. Im Januar bin ich wieder dort im Einsatz. So tragen meine vielen Hachinger Jahre noch eine ganz besondere Nachhaltigkeit in meinem Leben mit dem Fußball.“

Und am Sonntag?
Köstner: „Mein Herz schlägt für Haching. Dort spielt das bessere Team. Ich drücke die Daumen.“

Vielen Dank, Lorenz-Günther Köstner, dass Sie sich für Liga-Drei.de Zeit genommen haben.

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