Norman Loose: „Theo Bergmann ist sehr selbstkritisch.“

Sein Ex-Trainer Norman Loose im Interview

Theo Bergmann vom 1. FC Kaiserslautern

Theo Bergmann marschierte schon in der Jugend bei RWE vorneweg. ©Imago/pmk

Theodor Bergmann kam im Sommer als einer der stärksten Drittliga-Spieler der letzten Saison zum 1. FC Kaiserslautern und sollte den „Roten Teufeln“ zum Wiederaufstieg verhelfen. Zwar hängt der FCK eher im Mittelfeld fest, doch Bergmann hat sich in der Mannschaft trotz großer Konkurrenz etabliert.

Wir haben mit seinem früheren Jugend-Trainer Norman Loose, der bei Rot-Weiß Erfurt über mehrere Jahre mit ihm gearbeitet hat, über seine Persönlichkeit, die Rolle seiner Familie und die aktuelle Situation beim 1. FCK gesprochen.

Herr Loose, Sie coachten Theodor Bergmann in der Jugend von Rot-Weiß Erfurt. Was stand damals für ein Spieler vor Ihnen?
Norman Loose: „Ich habe Theo in der U14 kennengelernt, das zog sich dann über die U19-Bundesliga bis in den Profi-Bereich. Schon damals war er ein sehr intelligenter Junge, sowohl im Schulischen, als auch im Fußball. Er war hochtalentiert.

Wie sein älterer Bruder (Johannes Bergmann, Anm. d. Red.) hat auch er in deutschen U-Nationalmannschaften gespielt. Ich kenne ihn also schon sehr lange. Er war immer ein Führungsspieler in seinem Jahrgang.“

Welche besonderen Stärken hatte er und was musste er damals noch verbessern?
Loose: „Wie gesagt ist seine Intelligenz eine Stärke. Durch sein gutes Elternhaus konnte er in Erfurt im Internat und in der Schule gute Leistungen bringen und sich dadurch auf den Fußball konzentrieren. 

Technisch war er schon immer sehr gut, einer der Besten in seinem Jahrgang. Verbessern könnte er vielleicht sein Kopfballspiel. Es ist aber schwer, etwas zu nennen, weil er aus meiner Sicht wirklich ein relativ kompletter Spieler ist, der in seiner Altersklasse einer der besten Jungs hier war.“

Theo ist immer vorneweg marschiert. (über Bergmanns Führungsspieler-Qualitäten)

Sie waren damals zeitgleich als Co-Trainer für die Profis tätig. War Ihnen damals schon klar, dass sich Theo Bergmann dort durchsetzen kann?
Loose: „Der Sprung von der U19 zum Männerbereich ist ein Schritt, an dem viele hängen bleiben. Es war aber von Anfang an relativ klar, dass er das Zeug dazu hat, im Profi-Bereich Fuß zu fassen und sich durchzusetzen, sofern er verletzungsfrei bleibt. 

Sein Bruder beispielsweise hatte sich in der U19 schwer verletzt, hat dann zwar noch den Sprung in den Herrenbereich gemacht, aber auf Grund der Verletzung die Profi-Laufbahn gegen ein Auslandsstudium eingetauscht. Theo war aber für mich immer der erste Kandidat seines Jahrgangs, der das Potential hat, sich im Profi-Bereich in Erfurt oder anderswo durchzusetzen.“

Bei vielen Spielen stand er auch als Kapitän auf dem Platz. Können Sie sich an eine spezielle Situation erinnern, in der er für die Mannschaft voranging?
Loose: „Grundsätzlich ist Theo ein Typ, der immer vorneweg marschiert ist. Er wusste wie man sich wann und wo verhalten muss. Wir haben mit RWE in der U19 meist gegen den Abstieg gespielt. Das ist einfach der heutigen Situation der meisten Ost-Klubs geschuldet. 

Da ist er mit zwei, drei anderen Spielern jede Woche vorangegangen und hat versucht, die anderen mitzureißen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Das war sicher keine leichte Situation für junge Spieler, andererseits prägt es auch, wenn man solche Situationen meistert und den Klassenerhalt feiert.“

Viele Spieler können mit Kritik nicht gut umgehen. Er ist da anders. (über positive Eigenschaften)

Bezieht sich das nur auf das Spiel oder trat er auch in der Kabine so auf?
Loose: „Definitiv war er sowohl auf, als auch neben dem Platz oder in der Kabine ein Vorbild. Ich habe meinen Mannschaften im Nachwuchs relativ viele Freiräume gelassen um sich selbst zu regulieren.

Das geht mit dem einen Jahrgang besser als mit dem anderen, aber im U19-Bereich muss man auch als Spieler Verantwortung übernehmen. Mit Theo vorneweg war es so, dass das Team damals alles dafür getan hat, dass wir unsere Ziele erreichen.“

Norman Loose als Co-Trainer bei Rot-Weiß Erfurt

Norman Loose war bis zum Sommer Jugendtrainer und Co-Trainer in Erfurt. ©Imago/Christian Schroedter

Auch in Kaiserslautern konnte er sich gut durchsetzen. Welche Charaktereigenschaften bringt Bergmann mit, um sich zu behaupten?
Loose: „Talent ist natürlich ganz wichtig. Für mich spielt eine große Rolle, dass man seine eigene Leistung gut einordnen kann. Da ist Theo Bergmann einer, der sehr selbstkritisch mit sich umgeht. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit, viele Spieler können mit Kritik nicht gut umgehen. Er ist da anders. 

Er ist sehr zielstrebig und weiß, was er will. Das sind Dinge, die man braucht, um sich im Profi-Fußball durchzusetzen. Andererseits macht er nebenbei noch ein Studium, weil er weiß, wie schnell es vorbei sein kann.“

Die 3. Liga ist noch nicht das Ende vom Lied. (über Bergmanns Potential)

Wie verfolgen Sie seinen Weg aktuell in Kaiserslautern?
Loose: „Schon intensiv. Gerade die Spieler, die man mehrere Jahre im Nachwuchs trainiert hat, beobachtet man besonders, wenn sie in den ersten drei Ligen spielen: zum Beispiel Kevin Möhwald in Bremen, Sebastian Stolze in Regensburg und eben auch Theo Bergmann in Kaiserslautern. Mit Theo habe ich am längsten zusammengearbeitet, kenne ihn seit er 14 war und habe ihn sogar im Männerbereich trainiert. Dementsprechend ist es bei ihm noch intensiver, als bei anderen.

Ich kenne auch seine Eltern relativ gut, weil sein Vater kein Spiel versäumt hat. Ich schaue mir montags immer an, ob er gespielt hat, sofern ich es nicht schon am Wochenende mitbekommen habe. Es freut mich immer, wenn er aufgelaufen ist oder sogar ein Tor gemacht hat. Ich bin überzeugt, die 3. Liga ist noch nicht das Ende vom Lied.“

Die Roten Teufel haben das Thema Aufstieg noch nicht abgehakt. Wem trauen Sie denn in dieser Saison die ersten zwei Plätze in Liga drei zu?
Loose: „Für den Aufstieg ist der FCK aber schon weit hinten dran, glaube ich. Ich weiß nicht, ob die Vereine, die jetzt oben stehen, sich noch die Blöße geben. Grundsätzlich ist der FCK aber ein toller Verein mit viel Tradition, der auf lange Sicht auch wieder in der zweiten Liga spielen wird. Ob sie es in diesem Jahr schaffen, bezweifle ich, auch wenn ich es ihnen wünschen würde. 

Osnabrück scheint sehr stabil zu sein, ich traue Halle mit Trainer Torsten Ziegner noch einiges zu, aber natürlich auch Karlsruhe und Uerdingen mit ehemaligen RWE-Trainern und den Mannschaften, die sie zur Verfügung haben. Ich glaube daher, dass die aktuellen ersten vier, fünf Teams es unter sich ausmachen.“

Für den Aufstieg ist der FCK schon weit hinten dran. (über die Chancen des FCK)

Sie selbst sind momentan für den Thüringer Fußball-Verband tätig, zu ihrem Aufgabengebiet gehören unter anderem Breitensport, Schulsport und Fair Play. Was schätzen Sie an Ihrer neuen Aufgabe?
Loose: „Es macht richtig Spaß. Es ist allerdings etwas komplett anderes, im Vergleich zu den letzten Jahren, als ich Trainer war. Wenn man nicht drin ist, sieht man die vielfältigen Aufgaben in einem Verband gar nicht. Ich wusste natürlich, dass es Altherren-Mannschaften usw. gibt, aber was da an Turnieren und Organisatorischem dahinter steht im Breitensport, sieht man gar nicht. Von daher hat es mich ein Stück weit überrascht, was in einem Verband alles gemacht werden muss. 

Nach außen sieht man ja erstmal nur die Auswahlmannschaften, die Talentförderung und Trainer-Qualifizierung oder vielleicht noch ein Pokal-Finale am Saisonende. Aber es gehört weit mehr dazu. Für mich ist es viel Neuland, mittlerweile habe ich mich aber ganz gut eingearbeitet. Nebenbei trainiere ich auch die U17-Landesauswahl und bin bei der U15 mit dabei. Also bin ich schon noch recht häufig auf den Plätzen in Thüringen zu sehen, sodass ich nicht ganz aus dem Beruf des Trainers rauskomme.“

Sie haben ja die Trainer A-Lizenz. Würden Sie auch gerne wieder eine Vereinsmannschaft betreuen?
Loose: „Stand jetzt nicht. Nachdem ich nach zehn Jahren als Trainer im NLZ und im Verein bei Rot-Weiß Erfurt auf Grund der Situation schweren Herzens aufgehört habe, bin ich sehr froh, dass ich den Schritt zum Verband gehen konnte. Ich bin ein sicherheitsliebender Mensch, und das ist beim Verband eher gegeben als im Verein.

Ich habe in all den Jahren erlebt, dass die Haltbarkeitsdauer eines Trainers begrenzt ist. Ich möchte eigentlich nicht mehr weg aus Erfurt. Von daher bin ich sehr glücklich beim Verband. Im Moment denke ich nicht darüber nach, eine Vereinsmannschaft zu übernehmen, aber ich weiß auch, dass man nie nie sagen soll. Das kann schon noch irgendwann kommen.“

Herr Loose, vielen Dank für das Gespräch!