Olaf Janßen sieht Vertrauen in Dotchev

Viktorias Ex-Trainer im Interview

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Donnerstag, 19.12.2019 | 08:02

Olaf Janßen als Trainer von Viktoria Köln

Stärkt seinem Kollegen Dotchev den Rücken. Ex-Viktoria-Trainer Olaf Janßen glaubt an die Trendwende. ©imago images/Revierfoto

"Ich ben ne Kölsche Jung längst, also bin ich rundum optimistisch, dass alles wieder ins Lot gerückt wird“, sagt Olaf Janßen, als Liga-Drei.de mit ihm die aktuelle Lage des FC Viktoria Köln in der 3. Liga bespricht. Zwar ist Janßen in Krefeld geboren und rund um Uerdingens Grotenburg als Toptalent des Fußballs gefördert worden, doch von 1985 bis 1996 ist er beim großen 1.FC Köln zu einer festen Größe des Bundesliga-Fußballs aufgewachsen.

Zu den Highlights dieser elf Spielzeiten gerieten vier Vizemeisterschaften: Im UEFA-Cup, zweimal in der Bundesliga sowie im DFB-Pokal. Obendrein gab es Olympia-Bronze mit der DFB-Auswahl 1988 in Seoul. Als Trainer hinterließ Janßen bei dem einst vom Parfümriesen „4711“ gesponserten FC Viktoria Köln eine besondere Duftmarke: Von 18 als Trainer absolvierten Ligaspielen steuerte Janßen sein Viktoria-Team ohne jede Niederlage durch die Rückrunde in der Regionalliga West. Eine solche Bilanz bräuchte es nun idealerweise noch einmal.

Herr Janßen, Viktoria Köln hat seit dem 14. September, einem 3:2 in Münster, kein Match mehr gewinnen können. Wo drückt der Schuh in Höhenberg?
Olaf Janßen: „Viktoria Köln ist nun einmal immer noch  am Anfang eines Prozesses, in dem sich dieser Verein wieder zu einer festen Größe des Profifußballs entwickeln soll. Viktoria hat fast vier Jahrzehnte lang allenfalls in der Regionalliga und meist gar nur in der Oberliga stattgefunden. Profifußball ist kein Hokuspokus. So ist es doch völlig normal, dass Viktoria noch nicht in allen Bereichen aus dem Vollen schöpfen kann.“

Was meinen Sie genau?
Olaf Janßen: „Was Viktoria aktuell besonders massiv zusetzt, ist der Verlust von Leistungsträgern. Ein Aufsteiger wie Viktoria kann sich in seinem ersten Jahr im Profifußball naturgemäß keinen Kader leisten, der auf eine so hohe Anzahl von Unfällen und Ausfällen vorbereitet ist. Das Spielerpersonal ist sehr ordentlich zusammengestellt worden, doch wie wir jetzt erleben müssen, fehlt es leider an einer qualitativ hochwertigen Breite.“

„ So vernünftig, ruhig und besonnen wie immer. ”
über den Umgang mit der sportlichen Krise

Welche Ausfälle schmerzen?
Olaf Janßen: „Nun, fangen wir beim Keeper an: Mesenhöler bricht sich die Schulter. Ein Klassemann zwischen Pfosten, der nun schon einige Wochen fehlt. Holthaus, ein Haudegen in dieser Hammer-Liga, hat einen Syndesmosebandriss erlitten. Das dauert. Einer fehlt mit einem durchgetretenen Sprunggelenk, ein anderer mit einem Muskelriss. Auch Mike Wunderlich, der Kopf der Truppe, war mal raus. Solche Schlüsselspieler kann Viktoria Köln nicht ersetzen. Noch nicht.“

Als Viktoria letztmals siegte, war das Team mit 16 Punkten Tabellenvierter. Jetzt, 11 Spiele später, hat Viktoria nur fünf Punkte mehr und ist Tabellen-Sechszehnter. Wie ist Ihr Eindruck von der Stimmung im Verein? Wie gehen Hauptsponsor Franz-Josef Wernze und Sportchef Franz Wunderlich mit der sportlichen Krise um?
Olaf Janßen: „So vernünftig, ruhig und besonnen wie immer. Im Gegensatz zu den gern vorschnell zum Überschwang neigenden Kölner Fußball-Anhängern haben die Macher der Viktoria auch den großartigen Start in diese Drittliga-Premiere des Vereins immer allein als Polster für den Erhalt dieser Spielklasse bewertet. Die Entscheider bei Viktoria haben sich für den Weg der Nachhaltigkeit entschieden.“

„ Die Entwicklung des Vereins ist ganzheitlich angelegt. ”
über die Struktur der Viktoria

Das bedeutet?
Olaf Janßen: „Dass dort keine Entscheidungen aus der Stimmungslage eines Moments der Enttäuschung heraus getroffen werden, sondern allein im Sinne der konstruktiven Nachhaltigkeit. Die Entwicklung des Vereins ist ganzheitlich angelegt: Schauen Sie doch mal, wie sich die Infrastruktur des Vereins verbessert hat. Wie sich die Ausbildungs-Abteilung heute dort aufstellt: Mit hochangesehenen Fachkräften wie Roland Koch und Jürgen Kohler.“

Wie ist Ihre Prognose? Wie schafft Viktoria die sportliche Wende und somit den Erhalt der 3. Liga?
Olaf Janßen: „Mit einem kräftigen Durchschnaufen in der Winterpause, mit einigen wenigen, doch starken neuen Kräften für das Team, mit der Rückkehr bewährter Leistungsträger sowie mit Pavel Dotchev, der schließlich noch niemals in seiner langen Trainerkarriere mit einem seiner Teams absteigen musste. Dies wird auch 2020 so bleiben.“

Liga-Drei.de bedankt sich für Ihre Einblicke, Olaf Janßen, und wünscht Ihnen einen geruhsamen Jahresausklang.

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