FC Ingolstadt: Die Leere an der Schanz

"Was soll ich dazu sagen?"

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Sonntag, 12.07.2020 | 08:00

Tomas Oral beim FC Ingolstadt

Schickte seine Mannschaft gut eingestellt ins Rückspiel: Tomas Oral. ©Imago images/Stefan Bösl

"Nur eine Leere. Ich kann nichts sagen. Es ist einfach pervers", brachte Ingolstadts Trainer Tomas Oral seine Stimmungslage auf der Pressekonferenz nach dem Relegations-Rückspiel auf den Punkt. Die Schanzer gewannen nach einer reifen Leistung zwar mit 3:1 gegen Nürnberg, aufgrund der Auswärtstorregel reicht es allerdings nicht zum Aufstieg - und der Stachel sitzt tief an der Schanz.

Gute Marschroute

Dabei ging der Plan Orals zunächst auf. "Wir hatten aus dem 0:2 die Kraft gezogen, dass wir nicht 0:3, 0:4 oder 0:5 verloren haben", gibt Oral einen kleinen Einblick auf die Herangehensweise an die Partie, welche die Schanzer mit der aus den letzten Wochen gekannten Stabilität angingen und vorne auf ihre Chance lauerten - und genau diese Taktik ging auf.

Durch Tore von Kutschke, Schröck und Krauße führte der FCI zeitweise mit 3:0, präsentierte sich als das reifere Team - und wurde dennoch in Person von Fabian Schleusener in der Nachspielzeit bestraft. Eben jene Nachspielzeit war nach dem Spiel Anlass für Diskussionen, wobei Oral auch mit der Situation am letzten Ligaspieltag haderte.

Kritik an den Schiedsrichtern

"Letzte Woche macht Würzburg durch einen unberechtigten Elfmeter das 2:2, heute lässt er fünf Minuten nachspielen, pfeift dann nach fünf Minuten nicht ab, lässt noch die sechste, siebte, achte Minute spielen - was soll ich dazu sagen?"

Wie tief der Stachel in Ingolstadt tatsächlich sitzt, wurde deutlich, als die Kameras auf dem Podium der Pressekonferenz eigentlich auf FCN-Trainer Michael Wiesinger gerichtet waren. Dieser sprach von einer "Qualität" seiner Mannschaft, in so einer ausweglosen Situation zurückzukommen, wobei ihn Oral unterbrach: "Die Qualität hat der Schiedsrichter an den Tag gelegt, das war nicht Eure Qualität."

Schwierige Situation

Für Oral - der trotz des Frustes fair blieb und dem gegnerischen Trainer Wiesinger ein Kompliment machte, dass er seine Elf nach der schwierigen Saison wieder aufrichtete - und den FC Ingolstadt stellt sich natürlich auch nach dem bitteren Saison-Finale die Frage: Wie geht es in der kommenden Spielzeit weiter? Der Kader will geplant werden, Ingolstadt wird für viele Experten wieder zu den Aufstiegsfavoriten zählen.

Oral spricht von einer "schweren Situation", er wisse im Moment nicht, "wo man da ansetzen soll, um wieder Kraft zu bekommen". Dass sich der Umgang mit den Geschehnissen der letzten Tage auf die kommende Saison auswirken dürfte, ist logisch. Manche Teams zerbrachen bereits an solchen Situationen, andere entwickelten eine "Jetzt-erst-Recht"-Mentalität. Oral ist zuzutrauen, dass er letzteres beim FCI implementieren kann.