FC Ingolstadt: Thalhammers Lehrzeit ist beendet

Keine Sorgen trotz Vertragsende im Sommer

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Sonntag, 05.04.20 | 09:48
Maxi Thalhammer vom FC Ingolstadt im Spiel gegen Duisburg

Auf dem Weg in eine höhere Liga: Ingolstadts Maxi Thalhammer (r.) hat eine glänzende Zukunft vor sich. ©imago images/MaBoSport

In jedem Sommer laufen zahlreiche Verträge aus. So auch in der 3. Liga. Bisher konnten sich die meisten Spieler sicher sein, recht schnell wieder handelseinig zu werden. Diese Zeit scheint – vor dem Hintergrund von Corona und der damit verbundenen wirtschaftlichen Schieflage an den meisten Drittliga-Standorten – nun erst einmal vorbei.

Doch es gibt Spieler, die sich trotz eines bevorstehenden Vertragsendes keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen müssen. Liga-Drei.de stellt einige dieser Kandidaten vor. Heute: Maximilian Thalhammer vom FC Ingolstadt.

Sechs Jahre ist er jetzt bei den Schanzern. Präziser: Sechs Jahre minus einer Spielzeit als Leasingkicker für Jahn Regensburg vor einem Jahr. Doch jetzt läuft diese Langzeitbindung mit dem FC Ingolstadt ab und für Maximilian Thalhammer endet dort mit 22 Jahren sogleich eine Art Lehrzeitals Profifußballer. Denn er ist gut. Er gefällt. Und er ist frei.

Niemand sieht es seinen aktuellen überzeugenden Leistungen im Trikot mit der Nr. 6 des FC Ingolstadt an, doch irgendwie stand und steht in dieser Spielzeit stets der latente Verdacht im Raume, dass Maxi Thalhammer am liebsten geblieben wäre beim Jahn in Regensburg.

Niveau 2. Bundesliga in Regensburg realisiert

Schließlich hat er dort verlässlich unter Beweis gestellt, dass er sehr wohl das Niveau der 2. Bundesliga dauerhaft realisieren kann. In Ingolstadt, der Stätte seiner Ausbildung, haben sie dies nicht geglaubt und ihn stattdessen beim bayrischen Fußball-Nachbarn geparkt. Doch dort hat Thalhammer mit der Strahlkraft eines 1.92 Meter langen Hünen nachhaltig mitgeholfen, auffällig attraktiven und erfolgreichen Fußball zu performen.

So haben Thalhammer und die anderen Jahn-Kicker gegen den großen HSV 5:0 und 2:1 gewinnen können, den SC Paderborn besiegt, Heidenheim ebenfalls, in Köln gar 5:3 gewonnen und auch an der Alten Försterei bei Union Berlin bestehen können.

Dies passierte mit so viel fußballerischer Lebendigkeit und Überzeugungskraft, dass Jahns Fußballgestalter Achim Beierlorzer in Regensburg nicht mehr zu halten war und schon mal vorwegmarschiert ist in das hiesige Fußball-Oberhaus.

Dass Maxi Thalhammer dort alsbald auch einmal sein Aktionsfeld finden möchte, ist verstärkt zu einer Aufgabe geraten, seit ihn der Fußball-Lehrer Manuel Baum während dieser Aktionsleihe nach Regensburg gleichzeitig für die DFB-Auswahl U20 entdeckte, die er damals noch betreut hat.

Zweikampf zwischen Thalhammer und Moeller-Daehli

In Liga zwei bewiesen. Bei seiner Leihe in Regensburg wusste Maxi Thalhammer (r.) zu überzeugen. ©imago images/DeFodi

Fünf Einsätze, zumeist sehr gelungene Auftritte, erlebte Thalhammer im Trikot mit dem Bundesadler. Doch dieser bodenständige Aufsteiger, mit dem Freisinger Elternhaus im nördlichen Münchener Umland, der offenbar nicht zu jenen verhätschelten DFB-Günstlingen gehört, die sofort glauben, es in den großen Fußball geschafft zu haben, sobald sie sich in diesem Kreis jugendlicher Elite zeigen dürfen, weckt jedenfalls große Zuversicht.

Antreiber des Typus Goretzka

Der FC Ingolstadt ist – parallel zum persönlichen Vorankommen Thalhammers – in die 3. Liga abgestiegen und nun dahintergekommen, sein Eigengewächs gewaltig unterschätzt zu haben. So wurde Thalhammer, dieser Box-to-Box-Antreiber des Typus Goretzka, somit im vorigen Sommer zurück an den heimischen Fußball-Herd beordert, um mit seinem bisher verkannten Fußballjuwel die Rückkehr in die 2. Bundesliga zu realisieren.

Dies schien eine ganze Zeitlang dieser Spielzeit auch klarzugehen, doch dann krachte beim FC Ingolstadt im Februar plötzlich die Leistung zusammen wie der Stamm einer vertrockneten Tanne im Orkansturm dieses Januars. Nach vier Niederlagen hintereinander und einem müden Heimremis gegen den Halleschen FC erfolgte der Rausschmiss des Trainers Saibene.

Doch ehe Nachfolger und Rückkehrer Oral erstmals die Medizinbälle platzieren und zum ersten „Hallo-Wach“-Programm bitten konnte, ist der Fußball mitten im Saisonfinale bis auf Weiteres stillgelegt worden. Mit zwei Treffern und drei direkten Assists in 22 Spielen dieser Liga liefert Thalhammer keineswegs den unmittelbaren Nachweis einer mitreißenden persönlichen Torgefährlichkeit.

„ Auf dem Weg zu einem kompletten Spieler. ”
3.Liga-Kenner Frank Eulberg

Hier sollte er sich allemal noch verbessern.Doch der Schein trügt anderseits: Es ist vorletzte Pass zu einem Treffer, für den Thalhammer verlässlich in Aktion tritt. Und so sind sich Kenner der 3. Liga einig, dass Thalhammer in dieser Spielklasse zu den Hauptdarstellern eines erfolgreichen Mittelfeldspiels gehört. Stellvertretend hat Liga-Drei.de Frank Eulberg, der seit vielen Jahren jedes Wochenende an mehreren Orten dieser Spielklasse als Beobachter unterwegs ist, um seine Einschätzung gebeten.

„Max Thalhammer“, stellt Eulberg klar, „gehört zu den auffälligsten und beständigsten Spielern unserer Liga. Er ist ballsicher, technisch versiert, hat dieses gewisse Auge für den Moment des Passes, des Dribblings oder des Flugballs. Und mit dem Ball am Fuß ist er auch mit seinen fast zwei Metern Körperlänge in der Lage, eine hohe Geschwindigkeit aufzunehmen. Thalhammer ist auf dem Weg, sich zu einem kompletten Spieler zu entwickeln.“

Zurück zu Bekanntem?

Dass dies eine ganze Reihe von Entscheidern des Fußball ebenso sehen, hat Thalhammer inzwischen mitbekommen. So zählt er zu den wenigen Glücklichen in dieser Spielklasse, die auch in der aktuellen existenziellen Unsicherheit die Qual der Wahl des Arbeitsplatzes haben werden in diesem Frühsommer.

Die Rückkehr nach Regensburg scheint eine vernünftige Option zu sein, weil er sich in der dortigen stabilen Kultur des Miteinanders recht wohl fühlte. Realistisch erscheint freilich auch der Weg nach Mainz, wo mit Achim Beierlorzer jener Fußball-Lehrer aktiv ist, den Thalhammer einmal gegenüber dem Donaukurier so beschrieb: „Bei Beierlorzer habe ich mein lehrreichstes Jahr erlebt. Er hat mich entscheidend weitergebracht.“ Klingt durchaus wie eine Art Sehnsucht nach einer Fortsetzung der Zusammenarbeit. Nun, warum nicht, Maxi Thalhammer…

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