FC Ingolstadt: Tomas Oral im Stile Magaths

Saarbrückens Perdedaj beschreibt den Rückkehrer

Tomas Oral vom FC Ingolstadt

Tomas Oral findet die Balance zwischen Zuckerbrot und Peitsche. ©Imago images/Stefan Boesl

Helmut Hack pflegte schwierige Aufgaben im Stile eines Gentleman zu regeln. Jahrzehntelang ging er zwei großen Unternehmen voran: Hier der Teeproduktionsstätte Martin Bauer (Messmer u.a.), dort der Spielvereinigung Greuther Fürth. Alles dort Geschaffene ist seinem Verstand entsprungen. Mit Bodenständigkeit, Verlässlichkeit, Kreativität und wie Otto Rehhagel gern sagte: „Mit kontrollierter Offensive.“

Auch bei der Wahl seiner Trainer ist Helmut Hack seinen Grundsätzen treu geblieben. Gleich dreimal hat er den Fußball-Lehrer Benno Möhlmann an seinen Ronhof geholt und diese Treue zu der ihm vertrauten sportlichen Kompetenz dann so begründet: „Bei Herrn Möhlmann weiß ich nun einmal, was ich bekomme.“

Jetzt hat auch die 3. Liga ihren eigenen Klub-Trainer-Hattrick: FC Ingolstadt und Tomas Oral. Wenngleich hier die gemeinsame Vergangenheit weder mit ihrer Intensität noch mit ihrer Stabilität mit der Fürther Dreifachallianz standhalten kann, scheinen sich auch hier die Entscheider ziemlich sicher zu sein, worauf sie setzen können, als sie vor drei Wochen „Tomas Oral – die Dritte“ in Ingolstadt installiert haben. Damals freilich nicht ahnend, dass die Arbeit seitdem komplett ruhen werde.

Orals Rückkehr trägt überraschende Merkmale, weil er im vorigen Saisonfinale dem Verein die 2. Bundesliga nicht erhalten konnte. Obwohl im Relegationsduell mit dem SVW Wiesbaden eigentlich der Wind in die richtige Richtung blies, wurde Ingolstadts Fußball mit dem Heimdebakel im letzten Augenblick doch noch aus allen Träumen gerissen.

Nach Abstiegsschock ohne Zukunft bei den Schanzern

Mittendrin Tomas Oral. Geschockt. Hilflos. Mit dem Stigma des Abstiegs in die 3. Liga damals ohne Zukunft bei den Schanzern. Um zu erfahren, auf welche Form des Coachings Ingolstadts erfahrenes Entscheider-Duo, Michael Henke und Thomas Linke, zu setzen scheint, wenn der Fußball wieder rollen würde, hat Liga-Drei.de einen Zeitzeugen der Spielzeit 2016/17 zu Oral befragt.

Oral brauchte damals einen bissigen Balljäger, testete Fanol Perdedaj und nahm ihn. Als Otto Rehhagel zuvor seinen in der Boxersprache vielzitierten einen Kampf zu viel bestritt und im Alter von 74 Jahren noch einmal bei Hertha BSC anheuerte, war Perdedaj dessen letzte Entdeckung.

Rehhagel, der Spielern, die er besonders mochte, gern neue Spitznamen verliehen hat, taufte den Jungprofi aus Herthas Talenteschmiede kurzerhand „Paradise“ und ließ den Wadenbeißer auf die Spielmacher der Gegner los.

Nutzte nichts. Am Ende scheiterten Hertha, Otto und Fanol Perdedaj in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf und verloren damals ihren Platz in der Eliteliga.

Mit strenger Gangart Bereitschaft ausgereizt. ( Perdedaj über sein Glück mit Tomas Oral)

So sind wir neugierig, wie Perdedaj Tomas Oral beschreiben wird.

Tomas Oral und Fanol Perdedaj beim FSV Frankfurt

Unglückliches Ende beim FSV Frankfurt: Fanol Perdedaj (r.) und Tomas Oral (m.). ©Imago images/Jan Huebner

Fanol Perdedaj, Oral hat Sie im Juli 2016 zum FSV Frankfurt in die 2. Bundesliga geholt. Wie war Ihr Zugang zu ihm?
Fanol Perdedaj: „Für mich war er ein Klassetrainer. Ich glaube, er mochte meinen Biss. Ich mochte seine Professionalität. Ich hatte Glück: Wir hatten viele Gespräche voller Offenheit.“

Warum glauben Sie, dass Sie Glück hatten mit Oral?
Perdedaj: „Rückblickend weiß ich heute, dass Oral bei mir die Bereitschaft, immer und überall wirklich alles aus mir herausholen zu wollen, mit seiner extrem strengen und immer wieder Leistung einfordernden Gangart ausgereizt hat.“

Wie hat er das gemacht?
Perdedaj: „Training, Training, Training. Es ist extrem. Unter zweieinhalb Stunden läuft bei ihm nichts. Ja, es kotzt so manchen Spieler gewaltig an, wenn er 20 Mal mit dem Medizinball in den Armen über den ganzen Platz rennen muss. Das ist nicht jedermanns Fall. Doch für mich war Oral optimal. Ich war super fit. Konnte zwei Stunden rennen.“

Mal ekelig, mal versöhnlich. ( Perdedaj über sein Vertrauen zu Oral)

Klingt nach Felix Magath. Direkt vor dieser Zusammenarbeit beim FSV Frankfurt hat Oral einige Monate als dessen Co-Trainer beim FC Fulham gearbeitet. Sind Ihnen weitere Ähnlichkeiten aufgefallen?
Perdedaj: „Ich kenne Magath nicht persönlich. Ich weiß nicht, ob er den Spagat zwischen Zuckerbrot und Peitsche so gut hinbekommen hat wie Oral. Ja, Oral ist streng, kann manchmal sogar richtig ekelig werden. Doch am Ende des Tages nimmt er seine Spieler auch wieder versöhnlich in den Arm. Und alles ist gut. Ich habe diesem Weg vertraut.“

Doch am Ende ist der FSV abgestiegen…
Perdedaj: „Beim FSV waren sie sauer, weil Orals Wechsel zum KSC schon in trockenen Tüchern war. So haben sie fünf Spieltage vor Saisonende Oral gefeuert und stattdessen Falko Götz geholt. Purer Unfug. Haben viermal verloren. Mit Oral wären wir dringeblieben.“

Das also sagt Fanol Perdedaj, aktuell einer der Pokalhelden des 1.FC Saarbrücken, im Gespräch mit Liga-Drei.de rückblickend über Tomas Oral.

Mit dessen drittem Anlauf in Ingolstadt möchten die Schanzer zurück zur sportlichen Konjunktur finden. In den vergangenen Monaten waren Selbstvertrauen und Siegeswille abhanden gekommen.

Ob es zu einem Wettbewerb um den Aufstieg in die 2. Bundesliga noch einmal kommen wird, weiß freilich zum jetzigen Zeitpunkt niemand.

Für Erste gilt allein dies als sicher: Das Entscheider-Duo der Schanzer, Michael Henke und Thomas Linke, hat überzeugend geworben für Tomas Oral, der nächsten Monat 47 Jahre alt wird.

Denn anders ist es nicht zu begründen, dass sie sich für ihn und final doch nicht für einen der hochbegabten Kandidaten aus dem Kreis der aktuell ausgebildeten Fußball-Lehrer entschieden haben.

»Mobil wetten leicht gemacht. Jetzt kostenlose sunmaker App holen & bequem auf eSports tippen!