Unterhaching: Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Simon Thijs Veröffentlicht: Dienstag, 08.09.2020 | 11:00
Patrick Hasenhüttl von der SpVgg Unterhaching

Patrick Hasenhüttl ist einer von wenigen echten Transfers der SpVgg. ©Imago images/Passion2Press

Zwei Jahre in Folge erlebte die SpVgg Unterhaching nun dasselbe Szenario: Nach der Hinrunde schien man um den Aufstieg mitspielen zu können, in der Rückrunde lief plötzlich nichts mehr zusammen. So landete der frühere Bundesligist am Ende auf Platz elf, eine intensive Analyse folgte. Der folgte ein Trainerwechsel und noch mehr Konsequenz im Hachinger Weg. Was das für die neue Saison bedeutet, erfahrt Ihr im Teamcheck.

Kader & Transfers

In Unterhaching ist man sehr klar in den Vorstellungen: Der Nachwuchs soll gefördert werden, Spieler sollen eine möglichst hohe Identifikation mit dem Verein und seinen Werten haben. Daher gibt es nur drei externe Zugänge, alle mit lokalem Bezug. Der 21-jährige Stürmer Julien Richter kam von Wacker Burghausen, als Keeper Nummer drei wurde Lino Volkmer (19) von Kooperationspartner 1860 Rosenheim geholt.

Mehr Erfahrung hat einzig Patrick Hasenhüttl, der mit 23 Jahren schon auf vier Spielzeiten Regionalliga Bayern zurückblickt. In diesen erzielte er für Ingolstadt 23 Tore in 82 Partien, trug im letzten Jahr 13 Treffer zum Aufstieg von Türkgüc bei. Der Sohn von Ex-Bundesliga-Trainer Ralph Hasenhüttl ist als einziger als direkte Verstärkung anzusehen.

Verlassen hat die SpVgg mit Alexander Winkler auch nur ein Stammspieler. Der Routinier sollte eigentlich vom genesenen Josef Welzmüller intern ersetzt werden, dieser wird jedoch erneut monatelang fehlen. Auf der Position des rechten Innenverteidigers ist es so recht eng, da auch Marc Endres länger fehlt. Deswegen ist eine Verpflichtung von Robert Müller anvisiert. Außerdem rückt Talent Felix Göttlicher auf, der ohnehin in der Vorbereitung schon im Profi-Kader war.   

Mit Florian Dietz zur U23 des 1. FC Köln sowie Lucas Markert, der nach seiner Verpflichtung aus Erlangen ebenso nach Rosenheim verliehen wird wie Dominik Bacher und Tizian Zimmermann, sollen sich eine Reihe Spieler erst andernorts weiterentwickeln.

Nicht mehr auf Einsatzzeit rechnen dürfen der langjährige Leistungsträger Sascha Bigalke und Jim-Patrick Müller, die der Kader-Verjüngung zum Opfer gefallen sind. Bitter ist neben den Verletzungen von Welzmüller und Endres auch der Ausfall von Torjäger Stephan Hain, der eben so erst Ende des Jahres wieder zur Verfügung stehen wird, wie Mittelfeldmann Dominik Stahl. Insgesamt hat das Team also deutlich an Erfahrungswerten verloren. Die neuen Köpfe der Mannschaft müssen sich erst noch herauskristallisieren. Leute wie Lucas Hufnagel sind mehr gefordert.

Die aktuelle Form

Die Testspielresultate lesen sich durchweg positiv, zumal die SpVgg sich keine leichten Gegner für die Vorbereitung ausgesucht hat. Eröffnet wurde mit einem 0:0 gegen den FC Augsburg, dann wurde auch wegen zweier Standard-Tore 0:3 gegen Greuther Fürth verloren. Erst danach trat Arie van Lent sein Amt an.

Er begann mit einem 2:2 gegen den KSC, dem folgte ein 3:0 über Wacker Innsbruck und ein 3:1 über 1860 Rosenheim. Zuletzt gab es eine knappe Niederlage 2:3 in einer Partie über 120 Minuten gegen den 1. FC Heidenheim. Vor allem Stürmer Felix Schröter zeigte sich über alle Spiele hinweg in Torlaune.

Stärken & Schwächen

Die SpVgg ist in der Lage, den Ball gut laufen zu lassen, steht taktisch auch gut, meist im 4-4-2. Es zeigte sich jedoch in den letzten anderthalb Jahren, dass ohne einen Stephan Hain in Best-Form der letzte Punch vor dem gegnerischen Tor fehlte. Viele knappe Niederlagen und auch 30 Unentschieden in den letzten beiden Spielzeiten waren das Ergebnis. 

Kommt die Mannschaft ins Rollen kann sie mit ihren spielerischen Qualitäten grundsätzlich jede Mannschaft schlagen. Das Potential konstant abzurufen gelang jedoch zu wenigen Spielern. Ein Vorteil ist es gerade deswegen, dass es im Verein und Umfeld enorm ruhig ist. An Schromm kam auch bei ausbleibenden Ergebnissen nie Kritik auf, die Spieler behielten das Vertrauen auch in schwachen Phasen.

Arie van Lent von Unterhaching

Arie van Lent kehrt nach sieben Jahren in die Liga zurück. ©Imago images/Passion2Press

Der Trainer

Arie van Lent tritt ein schweres Erbe an. Nicht nur löst der Niederländer Claus Schromm ab, der mit Unterbrechung seit 2012 Trainer war, der Vorgänger ist auch der neue Chef. Schromm wurde wie schon 2014 Sportlicher Leiter. Dennoch soll van Lent seine eigenen Vorstellungen durchsetzen können, auch wenn sie im Rahmen der Hachinger Philosophie bleiben sollen.

Der frühere Bundesliga-Stürmer hat schon 100 Drittliga-Spiele als Trainer hinter sich, war in den letzten Jahren aber im Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach tätig. Damit passt er gut zur SpVgg, die den Fokus auf junge Spieler legt. Seine Spielweise geht von der eigenen Stärke aus, er will den Ball in den eigenen Reihen wissen. Dabei ist der 50-Jährige aber weniger offensiv eingestellt, als man es vielleicht von einem Niederländer und langjährigen Gladbacher erwarten würde.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung der SpVgg Unterhaching

Mögliche Aufstellung der SpVgg Unterhaching

Fazit & Prognose

Ob wir wieder zwei so unterschiedliche Saisonhälften sehen werden, ist schwer zu sagen. Das Resultat dürfte aber in etwa dasselbe sein, denn der Kader wurde nicht wesentlich verändert, junge Spieler werden viel Verantwortung übernehmen müssen. So prognostizieren wir Unterhaching in etwa den achten oder neunten Platz.

Was ist von den übrigen Drittligisten zu erwarten? Hier geht’s zu den weiteren Teamchecks.