HFC: Sebastian Mai, Musterprofi der 3. Liga

Keine Sorgen trotz Vertragsende im Sommer

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Montag, 13.04.2020 | 08:00

Sebastian Mai beim HFC

Exakt 101 Mal stand Sebastian Mai in Liga drei auf dem Feld. ©Imago images/Christian Schroedter

In jedem Sommer laufen zahlreiche Verträge aus. So auch in der 3. Liga. Bisher konnten sich die meisten Spieler sicher sein, recht schnell wieder handelseinig zu werden. Diese Zeit scheint  – vor dem Hintergrund von Corona und der damit verbundenen wirtschaftlichen Schieflage an den meisten Drittliga-Standorten    nun erst einmal vorbei. Doch es gibt Spieler, die sich trotz eines bevorstehenden Vertragsendes keine Sorgen um einen  Arbeitsplatz machen müssen. Liga-Drei.de stellt einige dieser Kandidaten vor. Heute: Sebastian Mai vom Halleschen FC.

Nirgendwo in der 3. Liga hat die Spielzeit einen derart enttäuschenden Verlauf genommen wie beim Halleschen FC. Sieben Spiele, sechs Niederlagen, ein Remis - kein anderes Team im deutschen Profifußball ist so miserabel in dieses neue Fußballjahr hineingestürzt wie der HFC. Sämtliche Spieler, die diese gescheiterte Hoffnung zu verantworten haben, blicken somit voller Existenzangst in die Zukunft

Einer der wenigen, der trotz alledem persönlich nur geringen weiteren Schaden zu nehmen scheint, ist Sebastian Mai. Freilich punktet auch er keineswegs vorrangig mit seiner aktuellen Arbeitsbilanz, denn mit drei Treffern und nur einem Assist ist vor allem auch er, der Kapitän des Teams, deutlich hinter den Erwartungen geblieben. 

Hinter den eigenen, hinter den seines gescheiterten und inzwischen durch Ismail Atalan ersetzten Trainers und Förderers Torsten Ziegner sowie hinter den Ansprüchen vieler wachsamer und kritischer Entscheidungsträger der Märkte. Mehrere Klubs der 2. Bundesliga und 3. Liga sollen vor wenigen Monaten noch große Pläne mit Sebastian Mai geschmiedet haben.

Basispotenziale haben einen hohen Rang

Diejenigen, die nicht abgesprungen sind in den Zeiten des Hallenser Leistungsknicks, sind weiterhin bereit die wertvollen Basispotenziale des resolut zu Werke gehenden Innenverteidigers, der auch mal in Mittelstürmerposition vor dem Tor seiner Gegner aufkreuzt, vorrangig zu berücksichtigen. 

Denn für Mai spricht weiterhin in hohem Maße, dass kaum ein anderer Spieler die bewährten fußballerischen Grundwerte dieser 3. Liga, die als so hammerhart gilt wie keine andere Spielklasse, so überzeugend zu verkörpern pflegt wie er.

Die 3. Liga steht primär für Robustheit, vor allem aus physischer Sicht. Sie steht für ein ausgeprägtes Flugballspiel. Wer bei der Abwehr dieser Flugbälle erfolgreich sein möchte, muss im Luftkampf körperliche Präsenz einbringen, ein sicheres Sprungtiming entwickeln sowie mit dem Kopf geschickt handeln können. Sebastian Mai kann das. Er ist 1.95 m lang und über 90 Kilo schwer und damit ideal geeignet, diese Idealvorstellungen vom Fußball in der 3. Liga zu erfüllen. Mai gilt für viele Kenner als Musterprofi in diesem Fußballmarathon.

In Halle Taktgeber, Anpeitscher und Vorkämpfer

Als Liga-Drei.de einen seiner Prachtauftritte in der Startphase dieser Spielzeit mit einem Chapeau, Sebastian Mai honoriert hat, fiel es Branchenkennern noch recht leicht, lobenswerte Einschätzungen zu finden. In dieser Stelle wurde Mai zum Beispiel so beschrieben: „Halle beherrscht Ball und Gegner, Kleinspiel statt langer Hafer und Ziegners verlängerter Arm, der hünenhafte Sebastian Mai, ist der entscheidende Taktgeber, Anpeitscher und Vorkämpfer. Es gibt kein Luftduell, keinen Infight und keinen Laufweg, in dem der gebürtige Dresdener nicht alles aus sich herauspumpt und mit seinem 90-Kilo-Körper quasi den Rasen mäht.“ 

Torsten Ziegner, der Konstrukteur des HFC, freute sich damals noch diebisch über seinen Kapitän und den vielen neuen Spielideen voller frischer, jugendlicher Antriebskraft. Es wurden auch schon Vergleiche herangezogen zum Verwirrspiel mit totaler Offensive in allen Positionen, mit dem Tim Walter bei Holstein Kiel recht erfolgreich war, doch beim VfB Stuttgart frühzeitig ins Abseits befördert worden ist.

Und obendrein wirkte dies alles in Halle doch recht gewachsen bereits, denn seine Anwartschaft auf eine Poleposition in der Liga hatte sich der HFC regelrecht verdient. Schon bis kurz vor dem Ende der vorigen Spielzeit hatten Ziegner, Mai und die anderen um den Liga-2-Aufstieg gekämpft, ehe sie von den Wiesbadenern noch abgefangen wurden. 

Berücksichtigung in den Lobeshymnen fand damals auch noch, dass Mai Stimmungen erkennen würde, die verändert werden müssten. Wenn es Mai zu leise ist, dann schnauzt er schon mal ins Publikum, genauso wie Teamkollegen sofort Ärger mit ihm bekommen, wenn sie glauben, mal ein weniger kürzer treten zu können.

„ Geradeaus das Übel beim Namen genannt. ”
Benno Möhlmann über Erfahrungen mit Mai

"Der Mai hat immer geradeaus das Übel beim Namen genannt und manchmal auch richtig dazwischengehauen“, berichtete Benno Möhlmann über die gemeinsame Arbeit bei Preußen Münster. 

Als Sebastian Mai noch ein pausbäckiger und zuweilen recht schwer in Gang kommender, 20-jähriger Fußball-Azubi beim Chemnitzer FC war, hatte ihn Ziegner in sein erstes Trainerprojekt geholt. Das war nebenan beim FSV Zwickau.  

Und es dauerte gar nicht lange, bis Mai seine Defizite weggearbeitet hatte: Er wurde schlanker, schneller, griffiger, selbstbewusster, stieg mit Zwickau in die 3. Liga auf und musste dennoch ins ferne Münster, weil er diesen Wechsel zuvor bereits perfekt gemacht hatte. Bei mir hat er sich im Training ausgetobt, überall hat er geackert und gerackert. Mit seiner großartigen Mentalität immer vorbildlich“, berichtet Möhlmann weiter.  

Was wird nun aus Mai? Möglich, dass er auch ohne Ziegner in Halle bleiben wird. Möglich aber auch, dass eine sächsische Alternative zu einer neuen Fußballheimat geraten könnte. 

Oder Variante drei: Vielleicht ahnt Sebastian Mai ja schon, wo Torsten Ziegner künftig als Trainer wirken wird…

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